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Landwirtschaft wichtiges Thema im Lübbecker Land

"Brauchen Agrar-Mutmach-Programm"

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Podiumsdiskussion: Thema "Landwirtschaft zwischen bäuerlicher Romantik und Industrieproduktion"
lockte rund 100 Besucher ins Rahdener Gemeindehaus

Von Klaus Frensing

Lübbecker Land. Kirche steht mitten in der Gesellschaft. Sie muss sich einmischen und mitreden. Erst recht, wenn es um so wichtige Themen wie die Landwirtschaft geht. Die Bedeutung von Ackerbau und Viehzucht verdeutlichen folgende Zahlen: Ein Drittel der Erde wird landwirtschaftlich genutzt, in Nordrhein-Westfalen sind es die Hälfte und im Mühlenkreis gar 60 Prozent. Fakten, die der Superintendent des ev. Kirchenkreises Uwe Griszan zu Beginn der Podiumsdiskussion zum Thema "Landwirtschaft zwischen bäuerlicher Romantik und Industrieproduktion" vorlegte.

Der Ausschuss "Kirche und Gesellschaft" des Kirchenkreises hatte unter der Leitung von Anke Steinhauer mit Iris Niermeyer von den Landfrauen, dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hermann Seeker, sowie den beiden Landtagsabgeordneten Norwich Rüße (Die Grünen) und Annette Watermann-Krass (SPD) renommierte Experten eingeladen. Die beiden Mitglieder des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wissen als Nebenerwerbslandwirt und Bauerstochter wovon sie reden.

Seit vielen Jahren ist die Landwirtschaft einem Strukturwandel unterworfen. Die Zahl der Höfe nimmt ab, dafür werden die Betriebe immer größer. Die Landwirtschaft steckt mittendrin im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie. Wie sehr das Thema Bürgern und speziell den Landwirten unter den Nägeln brennt, zeigten die rund 100 Besucher im Rahdener Gemeindehaus. Wir Verbraucher sind ziemlich verwirrt, meinte Anke Steinhauer. Einerseits vermittele die Werbung ein romantischen Bild, andererseits schreckten Horrormeldungen über Massentierhaltung und vergiftete Böden die Menschen auf. Wie antworte die Landwirtschaft darauf?

"Der Verbraucher muss bereit sein, faire Preise zu bezahlen"

"Die Werbung vermittelt ein Bild, wie es nicht ist", verdeutlichte Iris Niermeyer. "Wir haben moderne und artgerechte Ställe mit größerem Platzangebot, mehr Licht und besserem Futter. Die Tiere fühlen sich wohl", unterstrich Hermann Seeker. Das "Tierwohl"-Label bürge für Qualität und Sicherheit. Der Verbraucher müsse aber auch bereit sein, dafür faire Preise zu bezahlen.  Dazu kommen neue Auflagen und Verordnungen. "Wer kann sich das noch leisten?", stellte Anke Steinhauer in den Raum. Es gebe Auflagen, über die man sich nur wundern könne, meinte Norwich Rüße und nannte als Beispiel das Ackerstreifenrandprogramm, an dem sich immer weniger Landwirte beteiligen würden, weil die Kontrolle bis auf den Zentimeter erfolgen. "Die Überprüfung müssen so erfolgen, dass ich als Bauer damit leben kann", forderte er dazu auf, sich mehr an der Realität zu orientieren.

Annette Watermann-Krass bemängelte, dass die Betriebe zwar immer größer werden, der Verdienst aber immer geringer. Es werde zwar eine Menge mit der Landwirtschaft verdient, das Geld komme aber nicht bei den Bauern an. Annette Watermann-Krass: "Die Landwirte müssen sich selbst organisieren und die Wertschöpfungskette bis an die Ladentheke in die eigene Hand nehmen."

Steinhauer sprach den Widerspruch der Erwartungshaltung der Verbraucher an. Einerseits spreche er sich für artgerechte Tierhaltung und umweltschonenden Ackerbau aus, anderseits wolle er aber vier Masthähnchen für zehn Euro im Supermarkt einkaufen und mache die Landwirtschaft für alles, was schief läuft, verantwortlich. "Muss die Landwirtschaft mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben?", fragte sie in die Runde.

Iris Niermeyer sieht ein grundsätzliches Problem darin, dass nur noch wenige Menschen Landwirte persönlich kennen und wissen was auf dem Hof los ist. "Fast alle haben ein Smartphone, aber nur wenige interessiert es, wie und wo es hergestellt wird. So ist es auch mit den Lebensmitteln." Der Verbraucher achte vor allem auf den Preis. Rüße nannte dazu einige Zahlen: Heute werde elf Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, davon käme ein Viertel bei den Bauern an, vor 20 Jahren gaben die Deutschen noch 20 Prozent für Nahrungsmittel aus, davon erhielten die  Landwirten die Hälfte. Die Menschen hätten einfach verlernt, den Wert der Lebensmittel zu schätzen, bedauerte Iris Niermeyer. Seit einigen Jahren seien die Landfrauen an Kitas und Schulen unterwegs, um Kinder und Eltern die Bedeutung gesunder Nahrungsmittel nahe zu bringen.

Politik und Gesellschaft seien gefordert, waren sich alle einig. "Der Wandel muss in der Politik anfangen. Die Krise sollte genutzt werden, sich auf den Weg zu machen", unterstrich Annette Watermann-Krass und plädierte für einen Gesellschaftsvertrag von Politik, Handel, Verbraucher und Landwirte.

Förderung nach Naturschutz und Tierwohl ausrichten

Grundsätzlich befürworteten alle Podiumsteilnehmer die Prämien für die Arbeit der Landwirte im Bereich Umwelt- und Naturschutz. Norwich Rüße bezweifelte aber, ob die Fördergelder gerecht verteilt werden. Er sprach sich ebenso wie Annette Watermann-Krass für eine Förderung aus, die am Tierwohl und Naturschutz ausgerichtet ist und  die "ersten zehn bis 20 Hektar" stärker berücksichtigt sowie die Jungbauern. 

Die Politik muss eine klare Zielperspektive für die Landwirtschaft aufzeigen, forderte Rüße. "Wenn Gesellschaft will, dass die Höfe weiter bestehen bleiben, müssen wir etwas tun. Wir brauchen ein Agrar-Mutmach-Programm für die Landwirtschaft." Bei den Landwirten stieß er damit auf offene Ohren. "Die Politik muss uns helfen, damit wir ökonomisch so aufgestellt sind, dass wir ökologisch wirtschaften können. Die Höfe, die wir jetzt noch haben, brauchen wir", betonte Volker Schmale.

Neue Westfälische vom 29. März 2017
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Krise hat viele Ursachen

Kirchenkreis lädt zur Diskussion: Landwirtschaft nicht immer nur romantisch

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Cornelia Müller
Rahden(WB). Ackerbau und Viehzucht sind schon für die Bibel ein Thema gewesen. Das bäuerlich geprägte Leben ist Hintergrund vieler Erzählungen und Gleichnisse. Knapp sieben Wochen vor der Landtagswahl hat der Evangelische Kirchenkreis Lübbecke das Thema in seiner aktuellen Brisanz auf die Agenda gesetzt.
Am Montag hatte er unter der Überschrift »Landwirtschaft – zwischen bäuerlicher Romantik und Industrieproduktion« zu einer Podiumsdiskussion ins Rahdener Gemeindehaus eingeladen.
Podiumsgäste waren die Landtagsabgeordneten Norwich Rüße (Sprecher für Naturschutz und Landwirtschaftspolitik von Bündnis 90/Die Grünen) und Annette Watermann-Krass (SPD, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss), Hermann Seeker (Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands) und Iris Niermeyer (Vorstandsmitglied des Landfrauenverbands Minden-Lübbecke).
Einzige erklärte Nicht-Fachfrau auf dem Podium war die Moderatorin Anke Steinhauer. Der Leiterin der VHS Lübbecker Land blieb es vorbehalten, in der Diskussion die Rolle des Verbrauchers wahrzunehmen, dessen Bild der Landwirtschaft von der romantisierenden Darstellung der Werbung einerseits und den »Horrornachrichten« von Foodwatch andererseits geprägt werde. »Es scheint nur schwarz-weiß zu geben«, eröffnete die Moderatorin den Austausch auf dem Podium.
Hermann Seeker widersprach diesem Bild, indem er darauf verwies, dass moderne Ställe eine bessere, artgerechtere Haltung als je zuvor ermöglichten. »Enge Ställe ohne Tageslicht – das ist weitgehend ad acta gelegt.« Das bestätigte auch Landfrau Iris Niermeyer: »Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, aber die Werbung ist nicht hinterhergekommen. Der Verbraucher muss wissen, dass es dem Schwein auch gut gehen kann, wenn es nicht auf Stroh liegt.«
Offensichtlich habe die Landwirtschaft ein Vermittlungsproblem, folgerte Anke Steinhauer, und nannte aktuelle Umfrageergebnisse: Mehr als drei Viertel aller Deutschen forderten von den Bauern mehr Rücksicht auf die Umwelt und dass es den Tieren besser gehen solle, mehr als 90 Prozent seien allerdings noch nie in einem Stall gewesen. »Da kann man kaum erwarten, dass sie die Landwirte verstehen.«
Dieses Problem habe auch die Landwirtschaft erkannt und versuche, unter anderem mit »Tagen der offenen Höfe«, gegenzusteuern, allerdings mit begrenztem Erfolg. »Das ist wie beim Smartphone: Fast jeder hat eines in der Tasche, aber nur wenige interessiert, wie es hergestellt wird«, sagte Iris Niermeyer. Für den Verbraucher zähle oft nur der Preis.
Darüber, dass hoher Kostendruck das Kernproblem heutiger Landwirtschaft sei, waren sich die Podiumsgäste weitgehend einig. »Keiner kann auf Dauer für 32 Cent Milch produzieren«, sagte Rüße, selbst Landwirt im Nebenerwerb. Beispielhaft sei für ihn die Vermarktungsstrategie der Österreichischen Milchwirtschaft, die mit großem Erfolg auf Regionalität setze. Annette Watermann-Krass forderte die Landwirte dazu auf, eigene regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und die der Produktion nachgelagerten Bereiche, »da wo das Geld verdient wird«, selbst in die Hand zu nehmen. »Wenn ich an der Ladentheke mehr Geld bezahlen soll, muss ich auch nachvollziehen können, wo und unter welchen Bedingungen das Tier gehalten wurde.«
Viele Probleme konnte die Podiumsdiskussion, die erkennbar auch im Zeichen des Wahlkampfes geführt wurde, nur anreißen. Deutlich wurde jedoch, dass die gegenwärtige Krise der Landwirtschaft viele Ursachen hat – von der Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt über die Subventionspolitik und steigende Auflagen bis zum Wandel einer Gesellschaft, in der immer weniger selbst gekocht wird und in der die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln insgesamt abgenommen hat. Nachdenklich stimmten vor allem zwei Stimmen am Schluss der Veranstaltung: Volker Schmale (Landwirt aus Varl) forderte die Politik auf, die Landwirte nicht im Stich zu lassen, denn: »„Wir brauchen jeden Hof, den wir noch haben.« Und schließlich die persönlichen Worte, die Ingrid Hölscher, Mitglied im synodalen Ausschuss »Kirche und Gesellschaft«, an die anwesenden Landwirte richtete: »Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie mein Essen produzieren.«

Westfalen-Blatt vom 29. März 2017


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