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Illu


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Beiträge zur Reformation

Katharina von Bora – die Frau an Luthers Seite

Ein Beitrag von Reinhard Ellsel im Westfalen-Blatt am 19. April 2017

Am 13. Juni 1525 geschieht, womit niemand gerechnet hat: Martin Luther heiratet die entflohene Nonne Katharina von Bora. Seine Gegner überziehen ihn mit Spott, seine Freunde reagieren verschnupft.

Luthers Hochzeit im 42. Jahr seines Lebens geht eine für ihn typische Bauchentscheidung im Vertrauen auf Gott voraus. Nicht nur sein Leben wird sich gründlich ändern, sondern er führt damit auch eine fünfzehn Jahre jüngere Frau ins Licht der Öffentlichkeit. Beide begründen die Tradition des evangelischen Pfarrhauses.

Katharina von Bora wird am 29. Januar 1499 als Tochter eines verarmten sächsischen Adligen in der Nähe von Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Klosterschule in Brehna, wo sie Lesen, Schreiben, Rechnen und Latein lernt, lebt sie seit 1509 im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. Dort legt sie 1515 ihr Nonnen-Gelübde ab. Ermutigt durch Schriften von Martin Luther, der sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzt, flieht sie mit elf weiteren Nonnen in der Nacht zum Ostersonntag 1523. Der Überlieferung nach schmuggelt ein Torgauer Ratsherr die Nonnen in Heringsfässern aus dem Kloster. In Wittenberg werden sie bei angesehenen Bürgerfamilien untergebracht und sollen verheiratet werden. Bei Katharina von Bora allerdings, die im Hause des Malers Lucas Cranach dem Älteren (um 1472 - 1553) lebt und arbeitet, gestaltet sich die Suche nach einem passenden Ehemann schwierig. Da entscheidet sich der eiserne Junggeselle Luther, dem die couragierte Katharina Avancen gemacht hat, zur Eheschließung. Das Paar richtet sich im Schwarzen Kloster ein. Der neue Kurfürst Johann der Beständige (1468 – 1532) hat Luther das ehemalige Augustinerkloster geschenkt. »Die Lutherin« bringt das Wohnhaus und den Garten auf Vordermann und entfaltet alle Eigenschaften einer Gutsherrin, die ein mittelständisches Unternehmen managt. Er nennt sie nicht nur »mein Liebchen« oder »mein Morgenstern«, sondern auch respektvoll »mein Herr Käthe«. Sein Haushalt wird zu einer christlichen Herberge ungezählter Freunde und Studenten, aber auch von Armen und Hilfsbedürftigen. Luther muss sich erst an den neuen Geist im Haus gewöhnen. In einer seiner Tischreden erinnert er sich: »Das erste Jahr der Ehe macht einem seltsame Gedanken. Denn wenn er am Tische sitzt, denkt er: Vorher war ich allein, nun bin ich zu zweit. Wenn er im Bette erwacht, sieht er ein paar Zöpfe neben sich liegen, welche er früher nicht sah.« Aber schon bald genießt er seine neue Rolle als Ehemann und Vater. An einen ehemaligen Mitbruder schreibt er: »Gott hat mich nach seiner großen Güte mit einem gesunden und munteren Sohn, Hänschen Luther, gesegnet. Es grüßt dich Käthe, meine Rippe. Sie fühlt sich, Gott lob, wohl und folgt meinem Willen und ist in allen Dingen gehorsam und nachgiebig, mehr, als ich es je zu hoffen gewagt hätte. (Gott sei Dank!)« Sechs Kinder werden dem Ehepaar geboren.

Nach Luthers Tod 1546 erleidet Katharina nach zwanzigjähriger Ehe manche Zurücksetzung und Undank. 1552 flieht sie aus Wittenberg vor der Pest und hat dabei einen Unfall mit der Kutsche. An dessen Folgen stirbt sie am 20. Dezember. Ihr Grabstein steht in der Stadtkirche zu Torgau.

Philipp Melanchthon – der Lehrer Deutschlands

Ein Beitrag von Reinhard Ellsel im Westfalen-Blatt am 17. Februar 2017

Er gilt neben Martin Luther als der wichtigste deutsche Reformator. Am 16. Februar 1497 wird er als Philipp Schwarzerdt in Bretten im Kraichgau geboren. Sein Mentor Johannes Reuchlin ehrt den zwölfjährigen hochbegabten Schüler mit dem Humanistennamen Melanchthon, indem er dessen Familiennamen ins Griechische übersetzt.
Melanchthon ist gerade erst 21 Jahre alt, als ihn der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise auf den Lehrstuhl für Griechisch an die noch junge Wittenberger Universität beruft. Zwar hat er einen kleinen Sprachfehler, eine schmächtige Statur und ist nur 1,50 Meter groß. Aber gleich in seiner Antrittsrede spricht er von einer Universitätsreform und fordert die begeisterten Studenten auf: »Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«
Neben seiner Lehrtätigkeit studiert er bei Martin Luther Theologie und bringt diesem die altgriechische Sprache bei. Zwischen beiden entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft und Melanchthon bekennt: »Ich würde lieber sterben als von diesem Manne getrennt zu sein.« Schon 1519 ist er bei der Leipziger Disputation dabei, als Luther seine reformatorische Theologie gegenüber der Kirche verteidigen muss. Während des Streitgespräches mit Dr. Johannes Eck (1486-1543) schreibt er Luther kleine Zettel mit Bibelstellen, die die Vorrangstellung des Papstes widerlegen. Luther lobt: »Dieser kleine Grieche übertrifft mich auch in der Theologie.« Und: »In meinem ganzen Lehramt achte ich nichts höher als den Rat Philipps.« Luther will ihm sogar die Leitung der Reformation übertragen, falls er vom Reichstag in Worms nicht lebend zurückkehrt.
1521 schreibt Melanchthon die erste systematische Zusammenfassung der reformatorischen Lehre, die »Loci Communes«. Und er motiviert Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen. Viele Stunden feilen sie gemeinsam am Ergebnis. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 vertritt Melanchthon die Sache der Reformation, da Luther wegen des über ihn verhängten Banns nicht zugegen sein darf. Hier verfasst er das erste große Bekenntnis der Reformation, das nach dem Ort der Übergabe an den Kaiser »Augsburger Bekenntnis« (Confessio Augustana) genannt wird.
Nach Luthers Tod 1546 wird er in Deutschland der Wortführer der Reformation. Er ist nicht unumstritten. Denn mit den Altgläubigen ringt er oft um Verständigung. Dabei ist er auch zu Kompromissen bereit, die von der Linie Luthers abweichen. Schon zu Lebzeiten trägt ihm sein unermüdlicher Einsatz für die Verbesserung des Bildungswesens den Ehrennamen »Praeceptor Germaniae« (Lehrer Deutschlands) ein. »Die Jugend in den Schulen vernachlässigen, heißet nichts anderes, als den Frühling aus dem Jahre hinwegnehmen«, so Melanchthon, der in seinem Wesen immer Pädagoge und Professor geblieben ist. Er stirbt am 19. April 1560 in Wittenberg im Melanchthonhaus, in dem er seit 1536 mit seiner Familie gelebt hat. Sein Grabmal ist in der Wittenberger Schlosskirche an der Seite seines einstigen Mitstreiters Martin Luther


Martin Luther entdeckt die Glaubensgerechtigkeit

Ein Beitrag von Reinhard Ellsel im Westfalen-Blatt am 06. Januar 2017

Am 10. November 1483 ist Martin Luther in Eisleben geboren.

Plötzlich wird sein Leben umgekrempelt. Im Sommer 1505 gerät der Student der Jurisprudenz auf den Feldern von Stotternheim in ein schweres Gewitter. Aus Angst, vom Blitz erschlagen zu werden, fleht er: »Hilf, du heilige Anna, ich will ein Mönch werden!« Zum Ärger seines Vaters, der im Kupferbergbau arbeitet, bricht er sein Jurastudium ab. Er wird Mönch und Priester in Erfurt und studiert Theologie in Wittenberg. Allerdings: die Freude an der Frohen Botschaft hat ihn nicht ins Kloster geführt. Vielmehr treibt ihn die nackte Angst vor einem furchtbar gerechten Gott und ruhelos fragt er: »Wie kriege ich einen gnädigen Gott?«

Luther erinnert sich: »Ich aber liebte den gerechten und die Sünder strafenden Gott nicht, ja ich hasste ihn; denn ich fühlte mich, so sehr ich auch immer als untadeliger Mönch lebte, vor Gott als Sünder mit einem ganz und gar ruhelosen Gewissen. Ich konnte das Vertrauen nicht aufbringen, er sei durch meine Genugtuung versöhnt.«

Doch endlich, »unter Gottes Erbarmen«, wie er schreibt, wird ihm beim Studium der Bibel plötzlich klar, was es mit der Gerechtigkeit Gottes auf sich hat. Im Römerbrief liest er (Röm 1,17): »Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbar.« Allmählich versteht der Angefochtene, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht einen zornigen und strafenden Gott meint, sondern den gnädigen und barmherzigen Gott. Wie anders hätte Gottes Gerechtigkeit etwas mit dem Evangelium zu tun? Und zwar aus Glauben – Glaubensgerechtigkeit. »Der aus Glauben Gerechte wird leben«, heißt es bei Paulus.

»Gerechtigkeit Gottes« bedeutet also: Ich bin Gott recht. Weil ich an Jesus Christus glaube, der für meine Sünde gestorben ist, richtet Gott mich auf und nicht zugrunde. Er macht mich zu einem gerechten Menschen. Luther: »Hier fühlte ich mich völlig neugeboren und als wäre ich durch die geöffneten Pforten ins Paradies eingetreten. Da zeigte mir sogleich die ganze Schrift ein anderes Gesicht.«

Die Entdeckung der Glaubensgerechtigkeit macht Luther nicht träge, sondern sie begründet sein unermüdliches Schaffen. Als der Prediger Johann Tetzel (circa 1465-1519) im brandenburgisch-magdeburgischen Land umherzieht und Ablassbriefe für zeitliche Sündenstrafen feilbietet, tritt Luther ins Rampenlicht. Mit 95 Thesen gegen den Ablass ruft Luther am 31. Oktober 1517 zu einer akademischen Diskussion auf: Gottes Wort allein soll die Richtschnur aller kirchlichen Verkündigung sein; kirchliche Traditionen und Bräuche haben dagegen keine verbindliche Autorität. Doch die damalige katholische Papstkirche lässt sich auf keine Reformation ein.

Aus der Erneuerungsbewegung entwickelt sich gegen die ursprüngliche Absicht Luthers eine Kirchenspaltung, die von den Landesfürsten gestützt wird.

Im Rückblick betrachtet der Reformator seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche als sein wichtigstes Werk. Nun kann jeder Christ selbst prüfen, wie er in den Himmel kommt – ohne Bevormundung der Kirche. Am 18. Februar 1546 stirbt er in Eisleben. Kurz zuvor hat er auf einen Zettel geschrieben: »Wir sind Bettler, das ist wahr ...«


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