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Pfarrer Bernhard Laabs
Oder: Nun herrscht ein anderer Geist! Einer der belebt und nicht bedrückt. Einer, der Wege öffnet und nicht versperrt. Einer, der die Liebe in jeden Blick legt, den wir für andere haben und ihn dadurch auf Gottes Wirklichkeit hin weitet, anstatt ihn durch Misstrauen und Eigensucht zu messerschaften Schlitzen zu verengen. Nun herrscht ein anderer Geist. Heiliger Geist eben. Ein frischer Wind in dem auch damals schon konfliktgebeutelten Jerusalem: verängstigte Menschen fassen Mut, vor großem Publikum von dem Sieg der Liebe Gottes über den Tod zu reden – von dem Einen, den sie gerade noch aus ihrer Mitte rausgekreuzigt hatten. Wo dieser Wind weht, wo dieser Geist herrscht – nebenbei: „Wind“ und „Geist“ ist in der Sprache der Bibel dasselbe Wort – gibt es ein Verstehen über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg: eine Friedensvision, die die Menschen unter Gottes Geist an Pfingsten in Jerusalem erlebten. Frischer Wind der Liebe Gottes fegt den morbiden Mief aus Kleinlichkeit, Missgunst und Rechthaberei, aus Unfrieden, Ärger und der Angst, zu kurz zu kommen, einfach weg.
Von diesem Wind möchte ich mich tragen und bewegen lassen. Aus der Pfingstgeschichte, wie sie die Bibel erzählt, lerne ich: diejenigen haben ihn im Rücken, die mehr glauben, als sie sehen und die vor allem nicht alles glauben, was sie sehen. Ein Beispiel: Da steht ein 12-Zylinder-500PS-Auto auf dem Parkplatz. Ein Passant bekommt sehnsuchtsvoll-leuchtende Augen. Ein anderer wendet sich angewidert ab und denkt „So ein Klimakiller!“ Beide sehen denselben Gegenstand – und sehen doch etwas ganz unterschiedliches: sie sehen, was sie glauben – und nicht etwa umgekehrt. Was sie aber glauben, kommt von dem Geist, der sie bewegt.
Ignatius von Loyola hat bereits im 16. Jahrhundert gelehrt, die Geister zu unterscheiden:
Wo hat meine Lust, meine Neugier mich in die Bewegung von Glauben, Lieben und Hoffen geführt? Wo war Geist Gottes als Raum der Freiheit erfahrbar? Ebenso kann ich schauen, wo mich der Abergeist geführt hat, aus Anspruch heraus oder getrieben vom Motor des Misstrauens, der Entmutigung, Angst oder Egoismus.
Wenn die Jünger nur geglaubt hätten, was sie gesehen hatten, und das, was sie sahen, geglaubt hätten, dann wären sie an ihrem Entsetzen über den Tod Jesu wohl zerbrochen. Bewegt von Gottes Geist haben sie weiter gesehen.
Wie weit sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser?
Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen
Bernhard Laabs, Pfarrer in Schnathorst