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Pharisäer und Zöllner

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Jutta Hovemeyer, Lübbecke – Mitglied des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Lübbecke
und Laienpredigerin

„Ein MENSCH
betrachtete einst näher
die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei
dafür, dass er kein Zöllner sei.
Gottlob! Rief er in eitlem Sinn,
dass ich kein Pharisäer bin.“


Eugen Roth


Eugen Roth bringt es in seinen Versen zum Evangeliumstext des morgigen Sonntags – der Geschichte vom Pharisäer und Zöllner aus dem Lukasevangelium – auf dem Punkt: Pharisäer zu sein, das lehnen wir ab. Natürlich wollen wir keine Heuchler sein, wir wollen immer auf der richtigen, der guten Seite stehen.
Also sehen wir uns in der Position des Zöllners? Das Urteil über ihn, das Jesus spricht, könnte uns schon gefallen: Er geht „gerechtfertigt“ nach Hause. Aber so ganz passt uns seine Rolle doch nicht:
Er hat schließlich Dreck am Stecken, und seine demütige, schuldbewusste Haltung ist nicht ohne Grund. Mehr oder weniger heimlich klopfen wir uns auf die Schulter und ziehen Bilanz: So schlecht sind wir doch gar nicht, wenigsten, wenn wir das mit anderen vergleichen.
Und damit haben wir uns ertappt: „Gottlob, dass ich kein Pharisäer bin!“
Es fällt uns schwer anzuerkennen, dass beide Personen, die Jesus in der Geschichte vom Pharisäer und Zöllner vorstellt, Züge von uns haben.
In beiden wird uns deshalb der Spiegel vorgehalten. Wir erheben uns über andere, zeigen auf sie, grenzen sie aus und machen sie verächtlich. Und wir haben gleichzeitig die Züge des Zöllners, wir suchen unseren Vorteil, auch auf Kosten der anderen, stellen unsere Bedürfnisse in den Vordergrund und sind nicht immer ‚die Guten’.

Der Apostel Paulus schreibt es der Gemeinde in Rom in sehr klaren Worten: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten.“
Es fällt uns schwer einzugestehen, dass wir uns alle von Gott entfernt haben und die Distanz zu ihm nicht aus eigener Kraft überwinden können. Gott wendet sich uns zu, wie Paulus dann fortfährt: „und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade...“.
Wenn wir das für uns annehmen können, sind wir befreit vom Druck, uns gegenüber anderen hervorzutun, uns ins rechte Licht zu rücken und vor anderen einen Vorsprung zu gewinnen.
Wir können uns Gottes Zuwendung nicht „verdienen“, wir haben nicht „verdient“, dass Gott uns „gerecht“, richtig macht. Das wird uns geschenkt.
Und dafür können wir froh und ohne Heuchelei Gott danken – gottlob!


Zur Person:
Jutta Hovemeyer, Lübbecke – Mitglied des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Lübbecke
und Laienpredigerin


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