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Weihnachten weltweit!

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Martina Nolte-Bläcker, Pfarrerin der Ev. Martinskirchengemeinde in Espelkamp

Überall auf der Welt feiern Christen heute am Heiligabend die Geburt des Sohnes Gottes. Israels Hirten waren die ersten, die damals in der Nacht auf dem Feld die frohe Botschaft des Engels hörten: „ Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren soll. Denn euch ist heute der Heiland geboren, Christus, der Herr in der Stadt Davids!“ ( Lk. 2 10-11) Sie machten sich sofort auf den Weg, um das Kind in Bethlehem zu suchen. So pilgern auch heute Abend in Sydney, Melbourne und in anderen Städten Australiens Hundertausende von Christen mit Kerzenlicht ins Freie, um gemeinsam die alten Weihnachtslieder zu singen. Die schwedischen Christen bringen ihre Weihnachtsfreude zum Ausdruck, indem sie den Weihnachtsbaum frei in die Mitte des Wohnzimmers stellen, damit am Weihnachtsabend die ganze Familie um den Baum tanzen kann. In Finnland beginnen die Weihnachtsfeierlichkeiten damit, dass heute um 12 Uhr der Weihnachtsfriede feierlich in Turku ausgerufen wird. Finnische Christen schmücken zu Weihnachten aber auch die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen mit Kränzen und Kerzen, die am Heiligabend in der Dunkelheit leuchten. In ihrem Schein wird deutlich, dass das Kind in der Krippe zugleich der Sohn Gottes ist, der unser ganzes Menschsein, auch unser Leid und unsere Not geteilt hat, um uns aus der Macht des Todes zu befreien. Weil Gott uns so sehr liebt, soll unser Leben am Ende nicht verloren gehen, sondern für immer mit Gott verbunden sein. Zum Heiligen Abend gehören deshalb in Polen traditionell auch die großen eckigen Weihnachtsoblaten. Die polnische Familie versammelt sich bei Kerzenlicht, um zunächst die Weihnachtsgeschichte zu lesen und zu beten. Danach werden die Weihnachtsoblaten wie beim Abendmahl miteinander geteilt als ein Zeichen dafür, dass das Fest der Geburt Jesu Christi bereits über sich hinausweist auf Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Mit ihr öffnet das Kind von Bethlehem uns den Weg zu Gott und schenkt uns ewiges Leben, den Frieden Gottes und seine Liebe. So erinnern auch die Christen in Indien mit Lichterketten in den Palmen daran, dass Jesus als das Licht der Welt zu uns gekommen ist, um die Dunkelheit von Ungerechtigkeit und Gewalt, von Leid und Not in dieser Welt zu durchbrechen. Am Ende des Kriegsjahres 1944 schreibt der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer als Gefangener in einem Gedicht und Gebet für seine Angehörigen: „Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang- der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.“
Mögen auch wir an diesem Weihnachtsfest voller Dankbarkeit und Freude einstimmen in den Lobgesang der Kinder Gottes weltweit, im Vertrauen darauf, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist und uns nichts und niemand in dieser Welt mehr trennen kann von der tiefen Liebe Gottes, die in Jesus Christus für uns sichtbar und wirksam geworden ist.

Der Showdown ist zu Weihnachten
Wie verbringt eigentlich eine Seelsorgerin die kommenden Feiertage? / Gespräch mit Martina Nolte-Bläcker


VON KARSTEN SCHULZ

Espelkamp. Das Klischee stimmt bei Pfarrerin Martina Nolte-Bläcker von der evangelischen Martins-Kirchengemeinde Espelkamp nicht so ganz: Zu Weihnachten mit wehendem Talar, total gestresst von einem Gottesdienst zum anderen hechten, zwischendurch Zuhause mit den Lieben Bescherung und dann wieder zur nächsten Feier. „Weihnachten ist der Showdown. Dann ist eigentlich die meiste Arbeit getan“, sagt die Seelsorgerin im Gespräch mit der NW.

Die Predigttexte sind fertig formuliert, der Terminkalender mit den Proben, den vielen Vorbereitungstreffen, den klärenden Gesprächen ist abgearbeitet. „Wir halten dann noch unsere Gottesdienste und gehen dann nach Hause. Die stressige Zeit liegt dann schon lange hinter uns.“

Heiligabend steht sie – wie auch sonst üblich – sehr früh – bereits um 6.30 Uhr auf. Anschließend frühstückt sie in Ruhe mit Ehemann Detlef. „Heiligabend ist dann eher ein ruhiger Tag, alle Vorbereitungen müssen dann getroffen sein“, lehnt sie sich gemütlich in ihrem Sessel zurück.

In diesem Jahr konnte sie sich sogar ein Adventswochenende, den 4. Advent, komplett von Terminen freihalten. Mit ihrem Mann besuchte sie Freunde in ihrer früheren Wirkungsstätte in Altenberge bei Münster, die dort in einem plattdeutschen Theaterstück mitwirken .

Heiligabend leitet sie den Familiengottesdienst mit Krippenspiel um 15 Uhr in der Thomaskirche und die Christvesper um 18 Uhr mit Beteiligung der Kantorei. Die Christmette um 23 Uhr hält Pfarrer Gressog, der sich damit aus der Evangelischen Martinskirchengemeinde wieder verabschiedet. Er hatte mit seinem Dienst Pfarrer Falk Becker vom Michaelsbezirk entlastet, der hauptverantwortlich den Kreiskirchentag im kommenden Jahr organisiert.

Weitere Gottesdienste an Heiligabend sind um 15.30 Uhr und 17.30 Uhr in der Michaelskirche. Der Terminkalender ist aber noch länger. Am ersten Weihnachtstag hält Martina Nolte-Bläcker um 9.30 Uhr den gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst für beide Bezirke in der Thomaskirche unter Beteiligung des Bläserkreises und am 2. Weihnachtstag wird der Hauptgottesdienst um 11 Uhr von Pfarrer Falk Becker unter Beteiligung des Chores „Vokal Fatal“ geleitet. Schließlich gibt es noch einen Crossover-Gottesdienst um 18.55 Uhr mit Fackelzug von der Thomas- zur Michaelskirche. Diese Weih-Nachfeier endet mit einem Imbiss und heißen Getränken. Dazu sind alle Gemeindeglieder eingeladen.

Zur Ruhe kommt Martina Nolte-Bläcker an Heiligabend nach der Christvesper. Die Bescherung ist gegen 20.30 Uhr mit ihrem Mann vorgesehen. Anschließend freuen sich beide auf ruhige und intensive Gespräche zu Zweit.

Eigentlich freut sich die Seelsorgerin auf die Weihnachtszeit, die zwar von vielen Veranstaltungen geprägt sei, die aber alle ein „einheitliches Thema“ haben: die Weihnachtsbotschaft. Alle Advents- und Weihnachtsfeiern, der „lebende Adventskalender“, die Konfirmandentreffen, beschäftigen sich mit dieser Botschaft. Nolte-Bläcker: „Man fühlt sich in dieser Zeit so im Gleichklang mit der Gemeinde, das ist eigentlich sehr schön.“ Viel stressiger empfindet sie Herbst und Frühjahr, wo es viele sehr unterschiedliche Aktivitäten gibt.

Ein Zugeständnis an die Terminflut gerade zu Weihnachten musste sie jedoch machen. Früher habe sie immer alle Daten im Kopf gehabt. Das sei nicht mehr möglich, ohne festen Terminkalender ginge gar nichts mehr. Und noch etwas ist anders als in den Wirkungsstätten zuvor: Espelkamp ist keine Diaspora-Gemeinde und ist deshalb auch besser organisiert. „Das hat auch seine Vorteile“, weiß Martina Nolte-Bläcker.

Irgendwie seien die Menschen zu Weihnachten und insbesondere auch Heiligabend anders als sonst. „Sie kommen in großer Erwartung und sind deshalb viel offener und sensibler. Auch und gerade deshalb habe sie gerne zu Weihnachten seelsorgerlichen Dienst. Einen Heiligabend-Gottesdienst wird sie niemals vergessen: „Da haben wir gemeinsam mit alleinlebenden Menschen gefeiert. Wir waren damals wie eine große Familie.“ Ob sich so ein Erlebnis auch in Espelkamp wiederholen lässt . .

„x, y ... ungelöst“
Pastor Eberhard Helling über den Zauber der Festtage


Lübbecker Land (nw). Heute ist es so weit: die Heilige Nacht. Die Geburt von Jesus, den die Christen als Sohn Gottes verehren, wird gefeiert. Für viele Menschen ist diese Nacht aber eher so etwas wie „x,y ... ungelöst“. Es gibt vielleicht noch einen alten Zauber. Vielleicht ist dieser Zauber in den alten Liedern und Geschichten aufbewahrt, die zur Weihnachtszeit an so vielen Stellen zu hören sind. Oder in den viel zitierten strahlenden Kinderaugen. Nur wer glaubt diesem alten Zauber? Oder ist es doch eher ein fauler Zauber, dem die Menschen seit fast 2000 Jahren aufsitzen? Die Geburt eines göttlichen Kindes wird in so vielen Religionen erzählt. Warum sollte ausgerechnet die christliche Variante wahr sein?

Es gibt dafür keinen Beweis. Auch wenn dies immer wieder versucht wird: Gott wird als Designer der Schöpfung ausgegeben und diese Behauptung wird mit naturwissenschaftlichen Vokabeln untermauert. Man möchte gern, dass die Wirklichkeit so eindeutig von Gott redet, dass man sich zum Beispiel nur die Schöpfung ganz genau anschauen muss – und schon hat man Gott gesehen. Doch das klappt nie, weil unsere Wirklichkeit eben nicht so eindeutig ist – und wenn man noch so genau hinschaut. Deswegen kann man keine Beweise für oder gegen Gott finden. Wenn sich die christliche Wahrheit durchsetzen sollte, dann nur so, wie sie in die Welt gekommen ist: arm und hilflos, wie das Kind in der Krippe; und das bedeutet: Verzicht auf alle Beweise und Wunschvorstellungen.

Man sollte die Weihnachtsgeschichte noch einmal von vorne durchbuchstabieren: von A, wie Augustus. So hieß der römische Kaiser, der die Volkszählung anordnete, in deren Folge die Eltern Jesu in Bethlehem gelandet sind. Bis Z, wie Zufall: die Wahrheit von Weihnachten können wir nicht tiefsinnig beweisen oder flachsinnig beiseite wischen. Sie fällt uns zu; der Glaube daran, dass Jesus der Sohn Gottes ist, ist und bleibt ein Geschenk!

Und wenn man dieses Geschenk bekommen hat, darf man sich von Herzen freuen. Und vielleicht geschieht genau dies heute in den Kirchen und Wohnungen, wo die Weihnachtsgeschichte erzählt, also noch einmal durchbuchstabiert wird – ein echter, zauberhafter Zufall!


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