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Illu


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Was will dieser Mensch – oder: Luthers Anliegen, für Kinderseelen zum Reformationstag aufbereitet

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Pfarrer Eberhard Helling, Kirchengemeinde Lübbecke

„Wenn ihr nicht esset und nicht furzet, so werdet ihr ans Kreuz gehanget“ – sie ist noch keine sechs Jahre alt gewesen, als sie diesen Satz völlig unvermittelt in die Welt setzte. Und doch war die jüngste Tochter einer Bekannten wegen ihrer wundervollen Sprachbegabung in der Lage, einen Satz zu formen, der sich nach Luther anhörte. Warum sie darauf kam, dies so zu formulieren, kann ich nicht genau sagen. Ihre Eltern werden ihr von dem berühmten Satz Luthers, der sich auf die Verdauung nach dem Essen bezieht, erzählt haben. Und dass Luther jemand war, der die Geschichte Gottes immer wieder erzählt hat, hat das kleine Mädchen wahrscheinlich ebenfalls zuhause und auch im Kindergottesdienst mitbekommen.
Ich will an dieser Stelle nicht mehr in diesen Kindermund – Satz hineintun, als drin steckt. Aber er lässt ein Anliegen der Reformation auf überraschende Weise deutlich werden und dieses Anliegen sollte doch benannt werden. Eine Schlüsselfrage der Reformation war nämlich: „Wie bekomme ich mit meinen Alltagserfahrungen einen Zugang zu Gott?“ Die Erfahrungen lassen nämlich eher der Schluss zu, dass Gott sich nicht für mich interessiert, dass Gott sich von meinem Alltag verabschiedet hat. Deswegen haben damals viele Menschen versucht aus ihrem Alltagsleben auszusteigen und ein besonderes, ein heiliges, ein ungewöhnliches Leben zu führen – vielleicht kommt man damit Gott näher? Und heute?
Die große Überraschung der Reformation lautet: Nicht du kommst Gott mit deinem Leben näher – und wenn es noch so großartig, noch so heilig ist. Gott kommt dir in deinem Alltag nahe. Vor allem dann, wenn du gar nicht mehr glauben kannst, dass es einen Gott gibt - gerade dann ist dir Gott besonders nahe. Vielleicht spürst du nichts von ihm, wahrscheinlich hast du allen Glauben schon verloren, weil das Leben so oft gegen Gott spricht. Bei Luther spielen genau diese Erfahrungen immer wieder eine große Rolle und deswegen kommt es bei ihm zur großen Verwunderung: Gott selbst kennt genau dies – die Erfahrung der Gottverlassenheit. Am Kreuz schreit Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Meine Erfahrungen und Gottes Wirklichkeit - sie sind näher beisammen, als ich es mir träumen lassen kann.
Ich brauche also keine Kirche, die mir Gottes Wirklichkeit nahe bringt. Das macht Gott selbst, er selbst kommt mir nahe. Ich brauche aber eine Kirche, die mir diesen Gott bezeugt, die mir von ihm erzählt und in der ich diesen wunderbaren Gott feiern kann. Deswegen hat Luther die Bibel übersetzt und Lieder für unsere Gottesdienste geschrieben. Deswegen brauchen wir in unserer Kirche bis heute gute Musiker, die uns beim Loben Gottes helfen und vernünftige Predigerinnen und Prediger, die von Gottes Wirklichkeit berichten. Und wir brauchen die Kinder, die mit ihrer unnachahmlichen Art uns zum Lachen bringen können.
Wir dürfen annehmen, dass Luther den Satz, den ich zu Beginn zitiert habe, so nicht gesagt hat - allerdings sollte man sich bei ihm nie so ganz sicher sein. Er, der gerne gelacht hat, wird aber einem anderen Zitat, das ich kürzlich gefunden habe und das ebenfalls seinen Sprachstil aufgenommen hat, von Herzen gerne zugestimmt haben: „Selig, die über sich selber lachen können; ihnen wird es nie an Unterhaltung mangeln.“
Wenn ihnen beim Lesen dieser Zeilen einwenig leichter ums Herz geworden ist, dann haben sie das Grundanliegen der Reformation verstanden. Deswegen erinnern wir in den evangelischen Kirchen am 31. Oktober jeden Jahres an dieses Ereignis.


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