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Antje Kastens, Pfarrerin in Pr. Oldendorf
An diesem Wochenende ist Weihnachtsmarkt in Pr. Oldendorf. Es duftet nach Glühwein und gebrannten Mandeln. Eine Tüte davon muss sein - auch, wenn's unvernünftig ist.
In der Stadt gibt es zu kaufen, was das Herz begehrt. Und doch sind, wenn ich so mit heißem Glühweinbecher in der Hand auf die Vorbeiziehenden achte, viele Gesichter leer. Augen können so müde aussehen. Gesprächsfetzen lassen die Last eines umkämpften Alltags ahnen.
Warum auch sollte es Weihnachten anders mit uns sein? Warum sollte so ein anstehendes Fest etwas ändern? Im Gegenteil, es steigert den Stress: Ich brauche noch ein Geschenk für Anita! Hast du den Tannenbaum gekauft? Ich habe die Kinder ja gern, wenn doch nur nicht alle auf einmal kämen!
Als es zuerst Weihnachten wurde in dieser Welt, da war verlorene, dunkle Nacht. Die beteiligten Personen standen mitten im Existenzkampf: Hirten waren rechtlose Tagelöhner, Sterndeuter suchten vergeblich nach Wahrheit. Und die Beziehung von Maria und Josef kriselte schwer: Maria schwanger - und Josef weiß von nichts!
Dass Weihnachten dann doch so vollkommen wurde, das lag an der Hauptperson. Maria und Josef werden durch den Gottessohn eine Familie; sie halten schon auf der Flucht durch dick und dünn zusammen. Die Hirten gewinnen Ansehen, weil dieses Kind sie so wertschätzend ansieht. Und die suchenden Weisen haben endlich ihr Ziel gefunden: Der Königsstern lässt sie dem Friedenskönig begegnen.
Weihnachten wird es nicht durch Weihnachtsmarkt, Mandelduft oder Geschenkeinkauf. Volle Kühlschränke können leere Herzen nicht füllen. Nur die Hauptperson kann das. Wenn Jesus Christus zu uns kommt, dann finden wir in der Familie zusammen. Dann gibt er einen Ruheort für rastlose Arbeiter und Wertschätzung für die ohne Arbeit.
Dann muss keiner Heiligabend in Küchenstress verglühen oder in Einsamkeit ertrinken. Dann gibt es die Möglichkeit, mit unseren Sorgen zum Friedefürsten zu rennen. Er ist der Chef der Welt, der nicht an sich denkt, wenn er Frieden schafft. Wenn überhaupt einer, dann kann er es richten.
Manchmal stelle ich mir das neugeborene Krippenkind mit seinen wissenden Augen vor, wie es mich ansieht und sagt: "Ich weiß schon von deiner Not; ich helfe dir, ich, dein Heiland!" Dann wird Weihnacht. Ich kann in seinem liebevollen Blick ausruhen - wohl wissend, dass an mir nicht viel Liebenswertes ist, und dass andere ebenso diese Liebe brauchen.
Als lebendiger Gott tritt dieses Kind an unsere Seite und will unsere Tage teilen, immer nur ein Gebet weit entfernt. Allen, die ihn aufnehmen und auf seinen Jesus-Namen setzen, gibt er das Recht, Gottes Kinder zu werden (Die Bibel: Johannesevangelium Kap. 1, Vers 12).