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WORTE DER BESINNUNG
Vertrauen schöpfen, Vertrauen teilen
Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben vielleicht rein zufällig oder gar mit Absicht ihren Blick auf diese Zeilen gerichtet. Sind sie ein besinnlicher Mensch? Ein Mensch, der gerne nach innen schaut, sich besinnen will und nach dem Sinn fragt? Und dann ganz offen mit Vertrauen diesen gesehenen, gefühlten oder ersehnten Sinn lieben und leben kann?
Oder sind sie nur durch die Woche gehetzt, gehetzt worden? Stehen zu oft nur neben sich selbst? Werden mehr gelebt als geliebt? Und suchen gerade hier nach Besinnung? Nach Sinn? Nach einem Innewerden? In einer Zeit, in der sich nicht nur in dieser Zeitung wieder Menschen darüber äußern, wofür es sich lohnt zu leben.
Ich brauche Sinn! Ich brauche mein Inne-Sein! Doch was ich allerorten wahrnehme, ist ein gesellschaftliches Treiben, in dem ich zu oft selbst der/die Getriebene bin.
Man macht Meinung, man benutzt Meinung, man manipuliert Meinung, man organisiert Meinung – und ich mitten drin. Rechts gegen links; arm gegen reich; Christen gegen Muslime; Hartz IV gegen Hartzer, die Schmarotzer; Verteiler gegen die zu Verteilenden; Migranten gegen die, die schon längst aus dem Zusammenhalt dieser Gesellschaft ausgestiegen sind. Sinn? Besinnung? Wer? Ich?
„Hinsehen und nicht erschrecken“, hat einmal ein Mensch gesagt – Jesus. Hinsehen und wahrnehmen, was Menschen möglich ist. Hinsehen und nicht zu verzweifeln. Hinsehen und nicht aufhören zu fragen, was denn sinnvoll, voller Sinn und Besinnung einer Menschheit ist. Der Mensch ist doch mehr als die Tagespolitik, ist doch mehr als eine zu verrechnende Größe, ist doch mehr wert als Geld es ausdrücken kann.
Doch muss ich nicht erschrecken, wer überall gegen wen auch immer steht? Muss ich nicht erschrecken, weil nichts mehr zählt? Muss ich nicht erschrecken, weil es um Menschen geht?
Jesus, ich erschrecke mich oft. Ich weiß nicht, wo du diese Menschengüte hernimmst. Ist es dieses Vertrauen? Dieses Vertrauen auf Gott, den du Vater nennst? Dir – Jesus – begegnen Menschen. Manch einmal sind es besinnliche, manch einmal sind es gehetzte Menschen, manch einmal sind es auch ganz scheinbar Normale wie wir.
Vertrauen haben, Vertrauen schöpfen, Vertrauen teilen, Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zu uns Fremden, Vertrauen zu einem in uns selbst, Besinnlichkeit und Ruhe, einen Sinn innen sehen und nicht erschrecken – denn: „ Die moderne Gesellschaft scheint all die Dinge zu bejubeln, die von der Wahrheit wegführen.“
Besinnen wir uns oder schenken dem Sinn Glauben – tief in uns!
Michael Welters
Pfarrer am
Berufskolleg Lübbecke