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Illu


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Sorge Dich!

SORGE DICH (NICHT)

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Pfarrer Friedrich Stork, Blasheim

Gegenwärtig wird viel über die Religion geredet. Was aber nicht unbedingt heißt, daß sie selbst Gegenstand eines neuen Interesses wäre. Denn zumeist wird nur ihr gesellschaftliche Nutzen in den Blick genommen - oder eben den Schaden, den sie anrichten kann. Ihr „Wert“, ihre Akzeptanz bemißt sich nach ihrem privaten oder gesellschaftlichen „Ertrag“ oder inwiefern sie unsere Kreise befördert, nicht aber stört. Unterschiede zwischen den Religionen verwischen gegenüber der Frage, ob und wie sehr sie der „Gesundung“ und Beglückung unseres Daseins dienen.
Was man heute eigentlich als die größte, wenngleich unsichtbare Religion bezeichnen könnte, wäre eher die „mind cure“-Bewegung, die das Evangelium des positiven Denkens verkündigt. Sie überspannt alle religiösen und konfessionellen Differenzen, polt ihr Inneres auf die Frage nach dem Glück um, mischt noch ein wenig pantheistische Naturfrömmigkeit, Aberglaube sowie menschliche Machbarkeits-(Rettungs-)-phantasien mit hinein und teilt das Gemenge anschließend in „gut“ und „böse“ ein. Das alles geht ganz leicht von der Hand, denn natürlich will jeder nur das Beste.
Die Frage ist bloß, was ist „das Beste“ und wer definiert es? Und spätestens hier zeigt sich, wie fremd vielen Menschen das Wesen von Religion geworden ist. Da geht es dann plötzlich nur noch um „gelingendes Leben“ und ähnlichem - und keiner weiß, was das eigentlich ist, aber jeder kann sich das Seine darunter vorstellen. Sorge dich nicht!

Die christliche Religion ist in ihrem Menschenbild, das wird gerne übersehen, eine zutiefst pessimistische Religion, die davon ausgeht, daß der Mensch alleine und von sich aus nichts zustande bringen kann, jedenfalls nichts Gutes. Dennoch ist sie gerade deswegen eine reine Form der Erlösungs- und Heilsreligion, die ihre Tiefe gerade daher aus gewinnt, daß sie diese Pole miteinander verschränken kann. Das bewahrt sie vor einem Abgleiten in Misanthropie, aber genauso vor der Vereinnahmung als simple Glücks- oder Morallehre. Wo aber an einem dieser Pole herumgedreht wird, geht ihr nicht nur die Tiefe, sondern auch die Brisanz verloren.

„Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ [Mk 8,34]. Das also sagt Christus (unter anderem) zum Leben. Es sei Nachfolge Christi: das Kreuz tragen, sein Kreuz tragen. Und noch etwas gehört dazu: Selbstverleugnung. Beides wohl genau das Gegenteil von dem, was wir landläufig als „gelingendes Leben“ bezeichnen würden.
„Jeder hat sein Kreuz zu tragen“, sagen wir oft, und meinen damit: jeder hat sein Schicksal zu ertragen. Aber genau darum geht es hier nicht! Es geht nicht darum, sich in sein persönliches Lebensschicksal zu fügen und es durchzuleben oder mit der Kraft positiven Gedanken durchzustehen. Hier ist vom Kreuztragen die Rede, das aus der Nachfolge Christi erwächst. Es geht nicht darum uns oder unser Schicksal zu tragen, sondern den anderen und dessen Schicksal mitzutragen. Kreuz-Tragen meint hier: einer trage des anderen Last. Wenn das Evangelium nur noch unser Glaubenstrost ist und solcherart Nachfolge vergessen wird, dann geht es in der Tat nur noch darum, wie wir selbst mit unserem Leben zurechtkommen. Aber genau das will Jesus nicht sagen und deswegen spricht er auch von der Selbstverleugnung: wir sollen uns nicht immer nur um unserer eigenes Leben und Heil kümmern, sondern um das unseres Nächsten. Die Last des Nächsten ist unsere Last. Glauben und arbeiten und leben, nicht um irgend einen „Mehrwert“ für die Gesellschaft zu erreichen, sondern einfach, weil es aus sich heraus geboten ist: durch die Not des Nächsten, durch die Liebe, durch den Glauben. Sorge dich!

Pfr. Friedrich Stork


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