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Themen, die öffentlich diskutiert werden, schwappen wellenartig durch Talkshows und Zeitungsspalten. Derzeit steht (mal wieder) die Höhe der Hartz IV Sätze und die Rolle des Islams in Deutschland im Mittelpunkt.
Dankbare Themen, um Ablehnung und Angst zu schüren: Immer wieder nehmen dabei die negativen Beispiele einen großen Raum ein: Menschen, die sich auf Kosten der arbeitsamen Allgemeinheit ein bequemes Leben machen, islamische Familien, in denen die Frauen unterdrückt und die Töchter zwangsverheiratet werden.
So wichtig es ist, auf Missstände und Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen und diese zu verhindern, so dürfen aber nicht alle anderen , die einen ähnlichen Hintergrund haben, unter Generalverdacht gestellt werden.
Die meisten Menschen, die auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen sind, wollen wieder für sich selber sorgen können. Ein großer Teil derer, die in die islamische Tradition ihrer Familie hineingeboren sind, möchte diese religiöse Prägung mit dem freiheitlichen Leben in Deutschland verbinden.
Wie würden wir es wohl erleben, wenn auf Grund der schlimmen Missbrauchsfälle im kirchlichen Raum alle Kirchenmitglieder in Deutschland als potentielle Sex-Täter diffamiert würden?
Es tut dem Verständnis für die manchmal komplizierten politischen und gesellschaftlichen Fragen sicher gut, nach Antworten eher in der eigenen Umgebung zu suchen.
Was liegt mit dem Blick auf die alleinerziehende Mutter, die Ihre drei Kinder mit geringsten finanziellen Mitteln durch die Schulzeit bringen muss, näher? Der Vorwurf, auf Kosten der Allgemeinheit zu leben oder der Respekt vor ihrer Alltags-Leistung?
Wenn der türkische Arbeitskollege - gut im Betrieb integriert - die Fastenregeln im Ramadan einhält: Ist dann nicht die Erkenntnis, dass er seinen Glauben besser in den Alltag integriert als die meisten Christen, die oft nicht einmal mehr die Bedeutung von christlichen Feiertagen genau erklären können, stärker als die Angst vor einer „Islamisierung Deutschlands“?
Jesus jedenfalls hat vorgelebt, wie man respektvoll und offen mit Menschen umgeht, die sich von Anderen unterscheiden. Dabei verwahrte er sich vor allem gegen die leichtfertige Verurteilung der Mitmenschen: „Wer von euch ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein“
Matthias Rausch
Pfarrer im Kirchenkreis Lübbecke,
Beauftragter für
Diakonie und Notfallseelsorge