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Pfarrerin Hilke Vollert, Bad Holzhausen
Am Sonntag, dem Volkstrauertag, werden sich wieder Menschen an den Ehrenmälern versammeln, um der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft zu gedenken. Das ist eine wichtige Aufgabe, aber die Menschen, die gedenken können und wollen, werden weniger. Die Generation, die den Krieg miterlebt und erlitten hat, stirbt nach und nach.
Ich frage mich, was mit denen ist, die den Krieg nicht miterlebt haben. Die, die eigentlich nur gute Zeiten kennen, die in Wohlstand und Frieden herangewachsen sind und heranwachsen? Werden wir irgendwann das Gedenken vergessen und bleiben lassen?
Eine Sache, die wir nicht vergessen dürfen und die uns betrifft, ist wohl: In unserem Land ist Frieden, aber in vielen anderen Teilen der Welt herrscht Krieg. In manchen Ländern ist die Bundeswehr im Einsatz, so wie in Afghanistan. Der Schmerz ist jedes Mal unermesslich groß, wenn es Opfer unter den deutschen Soldaten zu beklagen gibt. Dann ist es fast, als käme die Erinnerung zurück: Krieg fordert immer Opfer, auf beiden Seiten.
Die Bibel erzählt von furchtbaren Kriegen und von der großen Hoffnung auf Frieden. Einen Frieden, der alle Völker erfasst, die ganze Welt, Tiere und Menschen. Im Buch Micha lautet eine großartige Friedensvision: Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Das ist zu schön, um wahr zu sein. Leider ist es auch nicht die Realität, nicht in Israel, nicht in Afghanistan und nicht in den vielen Krisenherden in Afrika. Aber es beschreibt die Hoffnung, die Juden und Christen auf der ganzen Welt teilen. Wir hoffen auf eine Welt, eine neue Zeit, in der der Krieg keine Rolle mehr spielt. In der es keine Gewinner und Verlierer mehr gibt, keine Täter und keine Opfer mehr. In der es kein Land der Welt nötig hat, Soldaten auszubilden.
Bleibt es beim Träumen von einer friedlichen Welt? Was können wir überhaupt tun für den Frieden? Gibt es etwas, was in unserer Macht steht? Ich glaube, ja. Wir können beten für den Frieden, überall auf der Welt. Und wir können gedenken, an die Opfer denken, damit etwas nicht in Vergessenheit gerät: Der Frieden ist ein kostbares Geschenk.