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In der zurück liegenden Woche jährte sich der Todestag Melanchthons zum 450sten Mal. Als Wegbegleiter Martin Luthers hatte er großen Anteil an der Reformation. Ich möchte Sie heute an Lesefrüchten der letzten Woche zu Melanchthon teilhaben lassen und würde mich freuen, wenn der kurze Text Sie ermuntern könnte, mehr über den Reformer und hoch motivierten Lehrer zu erfahren. Ich zitiere aus Philipp Melanchthon: Rede über das Elend der Lehrer, 1533: "Keine Gruppe in der Gesellschaft scheint mir unglücklicher zu sein, nicht einmal die, die im Zuchthaus zwangsarbeiten muss. Ich will einmal mit einem Beispiel beginnen. Wenn nämlich zum ersten Mal zu einem Lehrer ein Junge gebracht wird, auf dass er zur Bildung und zur Tugend geführt werde, dann schaut Euch mal an, in was für ein hartes Geschäft voller Mühe und Gefahren er sich da einlässt. Denn noch bevor ein Junge vom Alter her geeignet ist, in die Schule geschickt zu werden, ist er durch die Nachgiebigkeit im Elternhaus bereits verdorben, hat Laster bereits kennen gelernt und sie gründlich ausgekostet. Er bringt von Haus aus nicht nur keine Liebe und Bewunderung für die Welt des Wissens mit sich, sondern einen geradezu heftigen Hass gegen derlei Sachen, dazu Verachtung der Lehrer und schändlichste Erfahrungen durch häusliche Vorbilder. Mit einem derartigen Monster muss sich ein Lehrer herumstreiten. Wenn du etwas erklärst, geht der Geist des Jungen auf Wanderschaft; damit er dem Unterricht letztlich folgen kann, muss man ihm alles sechshundert Male einschärfen, bis in seinem widerspenstigen Geist nur etwas hängen bleibt. Wenn du ihn nur ein wenig aus der Kontrolle lässt, fließt all das so oft von dir Gesagte wieder aus dem Gedächtnis des Jungen. Wenn du ihn anhältst, wiederzugeben, was er gelernt hat, dann in der Tat könntest du vollends sehen, wie er sein Spiel mit dem Lehrer treibt. Denn für den Jungen in seiner Widerspenstigkeit ist es eine Lust, irgendetwas herauszuposaunen, was den Lehrer fuchst und in Rage bringt. … Diese hübschen Bengel aber, wenn sie uns schon mit allem Fleiß ermüden, sind noch obendrein rotzfrech gegen uns."
Zweierlei sagt mir Melanchthons Rede: Früher war ´alles` besser - heißt es oft. Melanchthon würde dem wohl widersprechen, wenn er die heutige Schulwirklichkeit kennen lernen könnte. Also: Nicht die Vergangenheit beschönigen! Sondern - und das ist mein zweiter Gedanke: Nehmen Sie bitte diese kleine Geschichte zum Anlass, sich nicht über unbefriedigende Zustände des Lebens zu ärgern. Setzen Sie sich statt dessen aktiv dafür ein, dass diese Zustände ´besser` werden! Wie heißt es doch: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.
Autor:
Hans-Georg Klötzer, Pfarrer und Schulreferent der Kirchenkreise im Kreis Minden-Lübbecke