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Kristina Laabs
Pfarrerin in Schnathorst
„Beten und Laufen baut Stress ab …“, so war es die Tage in der Zeitung zu lesen. „ …aber nicht bei jedem gleich oder gleich gut.“ Dazu erklärte der Projektleiter der Studie: „Im Sinne einer Stressbewältigung kann beides wirken, entscheidend ist jedoch die individuelle Bewer-tung und die Integration des Erlebten in den Alltag.“ Beim Laufen komme ich aus meinen vier Wänden heraus, ich atme frische Luft, erlebe die Weite der Natur, genieße die Freiheit. Wenn ich bei der Arbeit unter Stress stehe, mich aber dann an die Eindrücke beim Lauf erinnern kann, lässt mich das gelassener werden. Nicht anders ist es beim Beten: indem ich über meine Sorgen zu Gott spreche, löse ich mich aus dem Raum der Ängste. Ich spüre, dass es mehr gibt als mich und meine kleine Welt. Die Weite des Himmels tut sich plötzlich für mich auf.
Das ist doch nicht bei jedem so, höre ich. Stimmt. Aber im Gebet mit anderen Menschen habe ich die Überzeugung gewonnen, dass es bei jedem etwas bewegt. Und das hat durchaus kör-perliche Auswirkungen: Der eine weint, fühlt sich besser, erleichtert. Der andere kann endlich wieder zur Toilette, etwas hat sich gelöst.
Deshalb kann ich jeden nur so ermutigen, wie es Jakobus tut: „Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.“ (Jak 5,13)
Beten verleiht meiner Angst eine Stimme, die sich in der Weite des Himmels auflöst. Ich lasse los, was mich bedrückt. Ich gebe es in einen Raum, der viel größer ist als ich und den nur Gott überschauen kann. Und das Gute ist: Beim Beten kann ich nichts falsch machen. Habe ich beim Laufen nicht die richtige Technik, bekomme ich Seitenstechen. Im Gebet gibt es kein richtig oder falsch. Ich darf Gott alles sagen, meinen Groll ebenso wie meine Freude. Mein Herz wird erleichtert, denn alles gebe ich bei Gott ab. Bei ihm ist es gut aufgehoben.