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Als die Kirche noch voll war

WORTE DER BESINNUNG
Als die Kirche noch voll war

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Pastor Matthias Klauke
Die beiden großen Kirchen im deutschen Sprachraum stehen mitten in einem Umbruchsprozess: Ihre Strukturen müssen den Erfordernissen der Jetztzeit angeglichen werden. Einschnitte in gewohnte Strukturen sind nicht problem- und schmerzlos. Schnell melden sich Erinnerungen an vermeintlich „bessere“ Zeiten zu Wort: Erinnerungen an Zeiten, als die Kirchen noch voll waren und als jede Gemeinde ihren eigenen Pfarrer hatte. So wertvoll solche Erinnerungen auch sein mögen, manchmal können sie den nüchternen Blick auf das Heute vernebeln und die notwendigen Schritte in die Zukunft hemmen. Kirche im Jahr 2010.
Vielleicht hilft an dieser Stelle eine Ostererzählung aus dem Johannesevangelium (Joh 21,1-19) weiter: Nach der Auferstehung kehrt auch bei den Jüngern der graue Alltag ein. Mehr schlecht als recht gehen sie ihrem erlernten Beruf nach. Sie gehen wieder fischen und wie so oft geht es mühsam zu. Die ganze Nacht gearbeitet und kein Fisch im Netz.
Da denken sie an die Zeit mit dem zurück, der ihnen wohl zum ersten Mal gesagt und gezeigt hatte, wer sie sind: Tüchtige, wertvolle, lebenserprobte Menschen, ohne die die Welt arm und farblos wäre. Da sehen sie ihn schließlich leibhaftig vor sich, wie er ihnen Mut macht, nicht auf- oder kleinbeizugeben, sondern die vorhandenen Kräfte neu zu bündeln und noch einmal von vorn anzufangen. Das Leben in der Gegenwart des Auferstandenen richtet die Jünger auf und gibt ihnen Kraft, die Netze zuversichtlich auszuwerfen und nicht aus Angst vor einer weiteren Pleite lieber gleich die Hände in den Schoß zu legen. Kirche damals, als alles begann.
Einen besseren, österlicheren Motivationsschub für die Kirche heute kann es nicht gegeben: Erinnere dich Kirche! Erinnert euch, ihr Gemeinden! Nicht auf eure Statistiken und Bilanzen kommt es an, sondern auf euer Dasein! Nicht die Anzahl der Gottesdienstbesucher oder der Pfarreien sind entscheidend, sondern die Tatsache, dass ihr zusammenkommt, um Gemeinschaft mit dem Auferstandenen im Wort und Sakrament zu erfahren. Um euch so von ihm gestärkt neu dem Leben zu stellen. Dem Leben – so wie es heute ist und nicht wie es gestern war.
Das ist Ostererfahrung im Jahr 2010: Kirche lebt, vielleicht nicht mehr so triumphalistisch wie gestern, aber dennoch stark und der Welt Farbe schenkend mitten in unserer Zeit. Die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen wird sie lebendig halten.

Pastor Matthias Klauke,
Pastoralverbund
Lübbecker Land


© 2010 Neue Westfälische
Zeitung für den Altkreis Lübbecke, Samstag 17. April 2010





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