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Rainer Rohrbeck, Pastor in Wehe
In diesen Tagen bin ich hin- und hergerissen. Da erlebe ich auf der einen Seite wunderbare Adventsmusiken und stimme mich mit den altvertrauten Liedern auf Weihnachten ein. Auf der anderen Seite verfliegt schnell alle Adventsfreude, wenn ich die Zeitung aufschlage: Die Klimakonferenz in Cancun bringt nach zähem Ringen eher dürftige Ergebnisse. Ob das reicht? An den Kriegsschauplätzen der letzten Jahre entwickelt sich kaum etwas zum Besseren, im Gegenteil: es scheint eher schlimmer zu werden in Afghanistan, im Irak. Bildungsgerechtigkeit ist noch lange nicht erreicht.
Nach der Zeitung lese ich in meinem Losungsheft im 2. Petrusbrief: „Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt…“. Ja, denke ich, eine neue Erde brauchen sie bald, die Bewohner mancher Südseeinsel, denen das Wasser jetzt schon buchstäblich bis zum Hals steht. Bei weiterer Erwärmung wird es weiter steigen. Gerecht ist das nicht, denn die haben am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen. Für uns in Mitteleuropa scheint der Klimawandel immer noch sehr abstrakt. Abgesehen von manchen Wetterkapriolen merken wir kaum etwas davon. Vermutlich werden ihn erst unsere Kinder und Kindeskinder zu spüren bekommen. Vielleicht tun ja deshalb viele immer noch so, als ging es sie nichts an oder als könnten sie eh nichts dran machen. So weit voraus zu denken fällt schwer. Dabei ist gerade jetzt höchste Zeit, entschlossen zu handeln.
Vielleicht braucht es ja vor allem eine tragfeste Hoffnung, damit ich ins Tun komme. Von so einer belastbaren Hoffnung lebt die Adventszeit. Im Advent warten wir auf einen Gott, der sich in die Abläufe dieser Welt einmischt. Sehr persönlich einmischt - er wird Mensch auf dieser Welt. Jesus war beseelt von der Hoffnung auf Gottes Eingreifen, er lebte von der Hoffnung auf Gottes neuen Himmel und seine neue Erde, wo Gerechtigkeit wohnt. Mit diesem Gott möchte ich auch heute noch rechnen. Advent heißt für mich: Aktiv warten auf einen Gott, der die Herzen der Menschen ändert und sie stark macht, hier und jetzt schon etwas mehr von dieser Gerechtigkeit spürbar werden zu lassen. Der Gott, mit dem Jesus rechnet, ist einer, der uns etwas zutraut: Er traut uns zu, dass wir vor Ort die Gerechtigkeit voranbringen. Christen warten nicht auf andere, nicht auf die da oben, die schon alles für uns richten werden. Sie warten nicht darauf, dass andere sich bewegen. Sie bewegen sich selber, sie tun, was sie können, um z.B. dem Klimawandel aktiv zu begegnen und setzen sich ein für mehr Gerechtigkeit gegenüber den Armen bei uns und weltweit.