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Illu


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Vom Baum und seinen Früchten

Vom Baum und seinen Früchten


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Pfarrer Friedrich Stork




 

Es wird wieder fleißig gepflückt. In diesem Spätsommer und Herbst war der Tisch reichlich gedeckt mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen und vielem anderen. Auch Jesus hat einmal ein Gleichnis aus diesem gärtnerischen Bereich gewählt: „Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum“ [Mt 12,33]. Allerdings hat er da natürlich weniger ans Einwecken gedacht, sondern eher an Sinn und Ziel des Lebens und die Prioritäten der Lebensführung. Wenn man so will, ging es ihm also quasi um das „Eingemachte“ unseres Lebens, ob und wie ein Mensch Früchte bringt, ob er auch tatsächlich im Einklang lebt von Glauben und Reden und Tun. 

Dieser Einklang ist es, der uns oft zu schaffen macht, wie wir alle wissen. Und um den Finger richtig auf den Punkt zu legen, läßt Jesus noch eine Klarstellung folgen: „Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben“ [Mt 12,36]. Wir können uns das ruhig einmal in allen Einzelheiten vorstellen. Wir müssen Rechenschaft geben von jedem einzelnen Wort, das wir geredet haben - von jedem einzelnen, nichtsnutzigen Wort. Das ist hart; wir Menschen reden viel. Jeden lieben langen Tag. Und ein Leben ist aus vielen Tagen gemacht. Da kommt was zusammen an Worten. Worte am Gartenzaun, Worte am Arbeitsplatz, Worte in den Familien, Worte über Fremde, Worte in der Politik - ich kann gar nicht alles aufzählen, was mir da einfällt. Und es werden, nehme ich an, auch viele nichtsnutzige Worte dabei sein. Und alle diese Worte sind nicht vom Winde verweht, sondern werden aufgehoben, irgendwo. Und dann werden wir und alle eines Tages gefragt werden wie der Schuster Wilhelm Voigt in Carl Zuckmayers Stück "Der Hauptmann von Köpenick": "Wilhelm, wat haste jemacht aus deinem Leben ...“ Und wir? Was haben wir geredet, was haben wir geglaubt, was haben wir getan? Und ist das alles in Einklang miteinander gewesen? 

So wird es sein, sagt Jesus. Nur daß wir Menschen das immer wieder gerne vergessen oder nicht wahrhaben wollen oder einfach meinen, es sei völlig egal, wie wir leben. Dazu sagt Jesus: „Nein. Es ist nicht egal. Es wird eine Rechenschaft sein über alle Worte und Taten.“ 

Allerdings: Das ist keine Drohung, sondern einfach nur eine Feststellung. Wir sollen keine Angst bekommen. Jesus hat niemals geredet oder gehandelt, um uns Angst einzujagen. Wir sollen nur nachdenklich werden, statt gedankenlos dahinzuleben. Wenn Jesus vom Gericht spricht, dann hofft er auf unsere Einsicht. Noch rechtzeitig. Unser Gott ist ein konsequenter, aber nicht ein rachsüchtiger Gott. Vor allem ist er ist der vergebende Gott, für die, die ihn darum bitten. Darum sollen uns auch diese scharfe Mahnungen auch nicht zerknirscht und klein und scheu machen, sondern im Gegenteil, ein Ansporn sein. Wir sollen uns klar werden, daß es sich bei den Fragen nach den Prioritäten in unserem Leben - nach dem, was und wie wir reden und glauben und tun und wofür wir einstehen -, nicht um irgendwelche Nebensächlichkeiten handelt, die man mal bei Gelegenheit bedenken könnte. Sondern daß sie für Jesus und für uns zentral und von größter Wichtigkeit sind. Daß Glauben und Leben in einem - auch von Außen her - erkennbaren Zusammenhang stehen können und sollen. Und daß es wahrhaft Sinn macht, diesen Zusammenhang täglich und in allen Taten und Äußerungen zu suchen und nicht nur ab und zu mal. Und daß nicht zerknirscht und mit Bittermiene, sondern überzeugt und mutig und letztlich, um Einklang zu finden: Einklang mit sich selbst, Einklang mit unseren Nächsten und Einklang mit Gott.  

Pfr. Friedrich Stork 





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