
Sie befinden sich hier: / Wir für Sie / Archiv Worte der Besinnung / Worte der Besinnung 2009

Pfarrer Jürgen Giszas
Vom Schauspieler, Regisseur und
Autor Peter Ustinov stammt die herrliche Äußerung: „Um für eine Party fünfzig
Menschen aufzutreiben, muss man in New York hundert Einladungen verschicken. In
Hollywood genügen fünfundzwanzig.“ – Ob aber nun in New York, in Hollywood oder
auch in Ostwestfalen: Einladen muss man schon, wenn einem daran liegt, dass
möglichst viele Gäste am festlich hergerichteten Tisch Platz nehmen! Aber wie
trägt man eine Einladung in die Herzen der Menschen, die Leib und Seele
gleichermaßen anspricht?
Anschauungsunterricht gibt’s bei Jesus; der beginnt eine seiner Geschichten mit den Worten: „Ein Mann hatte viele Leute zu einem großen Essen eingeladen. Als die Stunde für das Mahl da war, schickte er seinen Diener, um die Gäste zu bitten: ‘Kommt! Alles ist hergerichtet!’“ (Lukas 14). Der Lernstoff, den diese Mitteilung birgt, ist doch der: Wer einlädt, muss sich zunächst einmal selbst bewegen, damit andere der Einladung Folge leisten. Die ansprechendste Einladung ist und bleibt jene, die persönlich an die Frau oder den Mann gebracht wird – und Menschen inmitten ihres Alltags erreicht! Darum auch schickt der großzügige Gastgeber aus Jesu Geschichte seinen Mitarbeiter übers Land, um die Gäste in direkter Anrede zum Fest zu bitten!
Auch Kirche möchte einladend sein; sie muss es geradezu – schon aufgrund ihres Wesens, schon aufgrund ihres Auftrages, Menschen zu ermutigen, sich Gott vertrauensvoll zu nähern. Wenn indes diese Einladung sich darin erschöpft, die Kirchentür zwar möglichst weit aufzusperren, es sich als Einladender dann aber behaglich in der Kirchenbank einzurichten, dann muss es niemanden verwundern, wenn letztlich nur wenige zur Gottesdienstfeier kommen! Aber Kirche ist auch lernfähig! Heute werden Gottesdienste „im Schafstall“ oder andernorts „im Grünen“ gefeiert. Heute finden kulturelle Veranstaltungen mit kirchlicher Urheberschaft in Schulen, Museen und anderen öffentlichen Gebäuden statt. Heute lädt der Präses anlässlich eines Besuches im Kirchenkreis seine Gäste zum Gedankenaustausch nicht mehr ins Gemeindehaus, sondern in die Kantine eines hiesigen Industriebestriebs. – Und die Eintrittsstelle unseres Kirchenkreises: Sie ist mit ihrem Eintrittsmobil „komm rein – tritt ein!“ unterwegs, damit die Mitarbeitenden auf Festen, Messen und Märkten mit Passantinnen und Passanten ins Gespräch kommen können! Dabei geht es längst nicht nur darum, Interessierten mit Brief und Siegel den Kircheneintritt zu ermöglichen. Die Mitarbeitenden möchten vielmehr die Menschen vor Ort einladen – ungeachtet ihrer Nähe oder auch Ferne zur Kirche, ungeachtet ihrer vorhandenen oder nicht vorhandenen Mitgliedschaft –, die vielfältigen Angebote dieser Kirche in Gemeinden, Beratungsstellen und anderen Arbeitsbereichen auszuprobieren. Eben Eintritt im weitesten Sinne des Wortes und nicht beschränkt auf einen rechtlichen Vorgang!
Das Beste aber: Einladen kann jede und jeder! Suche einen daheim auf, der schon lange keinen Besuch mehr erhielt, und bitte ihn, dich zum Gottesdienst mit anschließendem Kirchencafé zu begleiten. Wer sich bewegen lässt, derart herzlich einzuladen, macht bisweilen die beglückende Erfahrung, dass überraschend viele auch der Einladung folgen. Und das nicht nur in Hollywood ...
Ihr und euer
Jürgen Giszas
Pfarrer im Kirchenkreis Lübbecke
www.an-g-dacht.de