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Was ist eigentlich los im Bereich..
Vierter Bericht des Regionalpfarrers für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in den Kirchenkreisen Herford, Lübbecke, Minden, Vlotho (MÖWe) und in der Ökumenischen Werkstatt Bethel
1) Wir machen uns auf den Weg zu den Menschen
Im Ökumeneausschuss des Kirchenkreises Minden ist die Initiative entstanden, jährlich zweimal zu einem »Politischen Nachtgebet« einzuladen. Damit wird eine frühere Mindener Tradition wieder ins Leben gerufen. Das erste »Politischen Nachtgebet« findet am 4. April 2008 in der Ratskirche St. Martini statt. Es steht unter dem Motto »Nebeneinander – Miteinander – Heimat finden« und befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen in der Oberen Altstadt von Minden.
An der Vorbereitung beteiligen sich u.a. viele Initiativen, die sich um das Zusammenleben von Menschen verschiedener sozialer und kultureller Lebenshintergründe in der Oberen Altstadt bemühen: Die Aktionsgemeinschaft Friedenswoche, Attac Minden, das Eine-Welt-Dorf, die Eine-Welt-Schule, das Ev. Familienzentrum St. Martini-Kindertagesstätte Ritterstraße, das Interkulturelle Begegnungs-zentrum Juxbude e.V., die Mindener Tafel e.V. – St. Martini sowie die Stadt Minden.
Um Menschen, die in binationalen Ehen und Familien leben oder fremder Herkunft sind, gezielt anzusprechen, bieten Pastorin Elsie Joy dela Cruz und ich in Zusammenarbeit mit der Ev.-Luth. Altstadtgemeinde in Bad Oeynhausen seit Juni 2007 in der Regel einmal im Monat einen vorwiegend englischsprachigen Gottesdienst an. Er findet um 17.00 Uhr in der Auferstehungskirche statt. An diesem Gottesdienst nehmen regelmäßig rund 20 Personen teil. Einige von ihnen kommen auch deshalb, weil sie aus beruflichen Gründen nicht an einem Vormittagsgottesdienst teilnehmen können.
2) Wir sind offen und einladend
In der Ökumenischen Werkstatt Bethel (ÖW Bethel) der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) arbeite ich mit 25 % meiner Stelle als Studienleiter. Wir sind ein offenes und einladendes Tagungs-haus und eng mit den Kirchengemeinden in der Region Ostwestfalens verbunden. Wir bieten u.a. diverse Wochenend- oder Tagesprogramme für Konfirmandengruppen an, die mit den jeweiligen Pfarrern/innen individuell abgesprochen werden. Manchmal tagen auch Presbyterien oder Gemein-degruppen bei uns, die einen geeigneten Ort suchen, an dem sie ungestört über ein Wochenende miteinander arbeiten können. Hinzu kommen „Runde Tische“ zur Partnerschaftsarbeit mit der Protes-tantischen Karo-Batak-Kirche (GBKP) und der Nord-Ost-Diözese der Ev.-Luth. Kirche in Tansania (ELCT), die in der ÖW Bethel jeweils zweimal jährlich stattfinden. Hieran nehmen die Vertreter/innen der kreiskirchlichen Partnerschaften in den Kirchenkreisen Herford, Lübbecke, Minden und Vlotho teil. Darüberhinaus habe ich folgende Seminare zur Fort- und Weiterbildung für ökumenisch engagierte und interessierte Menschen angeboten:
3) Wir feiern lebendige Gottesdienste
Am 26.8.2007 fand in Bünde das Erste Ökumenische Glaubensfest statt in der Nachfolge der 165 Missionsfeste, die bis 2006 jährlich in Bünde stattgefunden haben. Es stand unter dem Thema „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“. Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Gospelchor Kirchlengern mitgestaltet. Am 31.8.2007 soll das Zweite Ökumenische Glaubensfest stattfinden, das zur Zeit zusammen mit der röm.-kath. Pfarrgemeinde St. Josef vorbereitet wird. Der Schlussteil des ev. Gottesdienstes und der Hl. Messe wird auf dem Rathausplatz gefeiert werden. Dazu ziehen die Pfarrgemeinde St. Josef und die Ev.-Luth. Lydia-Kirchengemeinde Bünde in Prozessionen zum Rathausplatz und treffen sich dort: Denn das, was uns im Glauben verbindet, wollen wir gemeinsam feiern und die Menschen in Bünde einladen, „Gottes Spuren (in ihrem Leben) zu entdecken“, so das Thema in 2008. Beide Feste haben zum Ziel, die lokale ökumenische und missionarische Arbeit zu stärken durch Impulse aus der weltweiten Ökumene: So predigte 2007 Pastorin E. J. dela Cruz aus der UCCP im Festgottesdienst. 2008 wird die südafrikanische Gruppe „iThemba“ durch Thementheater und Musik das Glaubensfest inhaltlich gestalten.
4) Wir begleiten die Menschen
Neben seelsorgerlichen Aufgaben, die zu jedem pastoralen Arbeitsfeld – wenn auch in unterschied-licher Weise und Gewichtung – gehören, begleite ich rund 200 Menschen, die sich in den Kirchen-kreisen (KK) Herford, Lübbecke, Minden und Vlotho haupt-, neben- oder ehrenamtlich für Mission, Ökumene, kirchliche Weltverantwortung und ökumenische Partnerschaftsarbeit engagieren. Hierbei geht es um eine beratende Begleitung, ferner um die Planung von Veranstaltungen (z.B. Tref-fen mit den Missionspresbytern/innen des KK Vlotho in Eidinghausen und des KK Minden in St. Martini).
Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Anliegen von Mission, Ökumene und Partnerschaftsarbeit an andere und vor allem jüngere Menschen zu vermitteln. In nahezu allen schon länger bestehenden Ausschüssen vollzieht sich zur Zeit ein Generationswandel: Er entlastet die Älteren, die oft schon seit mehr als 20 Jahren in dieser Arbeit engagiert sind und die ökumenischen Partnerschaften wesent-lich mit aufgebaut haben und nimmt die Jüngeren in die Pflicht, die Verantwortung für diese wichtige weltweite Vernetzungs- und Solidaritätsarbeit zu übernehmen.
Insgesamt arbeite ich in den fünf Partnerschaftsausschüssen und in den – inzwischen in jedem der vier Kirchenkreise – eingerichteten Missions- und Ökumeneausschüsse mit. Hinzu kommt der Regionale Arbeitskreis (RAK), der meine Arbeit begleitet und in dem die Vernetzung der Missions- und Ökumenearbeit in der Region unserer vier Kirchenkreise geschieht.
Fachliche Begleitung geschieht auch in der Bearbeitung vieler Anfragen von Seiten der Gemeinden, Gruppen, Pfarrer/innen oder Kirchenkreise. Dazu gehört z.B. eine konzeptionelle Zuarbeit, die Vermittlung von Referenten/innen oder Informationen, Vorbereitungen von Auschuss-Sitzungen, Synoden, Pfarrkonventen usw.
5) Wir bieten Orientierung
Die Einladung zu Vorträgen in verschiedene Gemeindekreise in den vier Kirchenkreisen nehme ich gerne an, um über ökumenische Themen (z.B. „Von Rom nach Wittenberg“, Fairer Handel usw.) zu referieren oder verschiedene Länderkontexte (z.B. Leben in den Philippinen, in Sumatra oder Südafrika) sowie die kirchliche Arbeit in Afrika und Asien vorzustellen. Dazu wurde ich (manchmal auch zusammen mit Pastorin E. J. dela Cruz) in folgende Gemeinden eingeladen: Altstadtgemeinde, Bad Salzufeln, Bergkirchen, Ennigloh (Bieren), Hausberge, Herford-Mitte, Holtrup-Uffeln, Lerbeck, Obernbeck, Oetinghausen, Oberlübbe und Siemshof. Solche Vorträge dienen auch dazu, Gemeindegruppen zu vermitteln, was die neutestamentlichen Aussagen über die Kirche als Leib Christi im globalen Zusammenhang konkret bedeuten.
Ferner habe ich durch die Mitwirkung am Vikarskurs „Kapernaum“ vom 18.-22.6.2007 versucht, Vikaren/innen der EKvW ökumenische Grundkenntnisse zu vermitteln, so dass sie ihre – im Rahmen von Praktika gemachten – eigenen Ökumeneerfahrungen den Grundanliegen in der heutigen Ökumenearbeit zuordnen konnten.
6) Wir machen uns für Menschen stark
Im Regionalen Dekadearbeitskreis haben wir über die bedrückende Situation von Flüchtlingen in unserer Region gesprochen. Sie sind immer wieder von Abschiebungen bedroht und leiden oft unter psychischen Traumata. Deshalb haben wir einen Gesprächsabend zur neuen und umstrittenen Bleiberechtsregelung organisiert. Er fand am 17.8.2007 auf Einladung des Kirchenkreises Vlotho und des Dekanates Herford-Minden im D.-Bonhoffer-Haus in Bad Oeynhausen statt. Es nahmen mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete teil, sowie haupt- oder ehrenamtlich tätige Menschen, die Flüchtlinge begleiten, sie in juristischen Fragen beraten oder sie psychotherapeutisch und medizinisch behandeln, als auch rund 40 interessierte Menschen aus der Region. Im Kontext dieses Abends hat sich die Altstadtgemeinde verpflichtet, eine regelmäßige Beratung für Flüchtlinge anzubieten, besonders für das Container-Dorf in Bad Oeynhausen. Diese Beratungstätigkeit findet im D.-Bonhoeffer-Haus statt und wird durch Spenden der Teilnehmenden des Friedensgebetes finanziert.
7) Wir machen Menschen Mut zum Glauben
Die Gelegenheit dazu sehe ich in der Einladung, Gottesdienste nicht nur zu ökumenischen Themen zu feiern, mitzugestalten oder in Vertretung zu übernehmen wie in den folgenden Gemeinden: Altstadtgemeinde, Holtrup-Uffeln, Lohe, Obernbeck, Oetinghausen und Werste Dabei ist es mir wichtig, Gemeinden daran zu erinnern, dass wir eine weltweit bestehende evangelische Kirche sind; dass Gott uns neue Horizonte eröffnen möchte, sowohl in unserem eigenen Leben als auch in unserer Verantwortung für andere Menschen.
Sowohl hierbei als auch im Rahmen von Andachten sehe ich bei verschiedenen Gelegenheiten die Aufgabe, engagierte Menschen aus unseren Gemeinden zu ermutigen – angesichts einer zunehmend einseitigen Wahrnehmung kirchlicher Wirklichkeit, die nur auf strukturelle Veränderungen blickt und zu sehr von der Tatsache bestimmt ist, dass sich die Kirche weiterhin im Rückbau befindet und auch in den nächsten Jahren kontinuierlich verkleinern muss. Selbst wenn zahlreiche Fakten in diese Richtung weisen, stellt sich umso mehr die Aufgabe missionarischen Handelns und gilt es nicht weniger das Vertrauen zu bekräftigen, dass Gottes Geist uns als Kirche den Weg in die Zukunft weist.
8) Wir nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr
Sowohl im Regionalen Dekadearbeitskreis als auch durch meine Mitwirkung im landeskirchlichen Friedensausschuss (AFF) reagieren wir auf gesellschaftspolitische und friedensethische Heraus-forderungen: z.B. die Krise im Iran, der anhaltende blutige Konflikt zwischen Israel und Palästina, der G-8 Gipfel in Heiligendamm, die menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen in Deutschland, ungerechte Wirtschaftsstrukturen. In beiden Gremien beraten wir, wie durch Bildungsveranstal-tungen, Aktionen oder öffentliche Äußerungen der Landeskirche auf diese Herausforderungen zu reagieren ist.
Ein konkretes Beispiel ist die Ausbildung von Multiplikatoren/innen zur Schaffung von Kredit-unionen im Rahmen des Fairen Handels und Fairer Kredite als eine wirksame Form der Armutsbekämpfung. Diese Ausbildung, die von Seiten der Protestantischen Karo-Batak-Kirche (GBKP) für fünf protestantische Kirchen in Nordsumatra durchgeführt wurde, ist ein gemeinsames Projekt der EKvW, der VEM in Zusammenarbeit mit der GBKP und der MÖWe, an der ein Regionalpfarrer der MÖWe und ich geschäftsführend beteiligt sind.
9) Wir laden zu aktiver Mitgestaltung und Beteiligung ein
Die EKvW hat ihre Kirchenkreise eingeladen, im Rahmen von ökumenischen Modellprojekten (ÖMP) die Zusammenarbeit der Kirchenkreise und Gemeinden im Bereich des Gestaltungsraumes zu stärken. Dabei sollen die Arbeitsfelder Ökumene, Mission und gesellschaftliche Verantwortung mit-einander verknüpft werden. Für unseren Gestaltungsraum hat der Regionale Arbeitskreis die Durchführung eines solchen ÖMP beschlossen. Bislang geplant sind drei Projektetappen, die in drei entsprechenden Arbeitsgruppen konzeptionell geplant und vorbereitet werden. Bis Ende 2008 sollen sie den 4 Kreissynodalvorständen als auch der Landeskirche zum Beschluss vorgelegt werden:
Ökumenischer Pilgerweg durch die vier Kirchenkreise vom 10.-14.6.2009 (Regionale Ebene)
Ökumenische Jugendbegegnung (Weißrussland, Norwegen, Deutschland, Rumänien) (10.-20.10.2009) in der Berghütte/Rödinghausen (Europäische Ebene)
Internationaler Theater- und Chorworkshop im Rahmen der bestehenden VEM-Partnerschaften nach Indonesien und Tansania in 2010 (Weltweite Ebene)
10) Wir fördern die weltweite Ökumene mit anderen Kirchen
Dazu gehören die Feier von Partnerschaftssonntagen, an denen ich in Holzhausen (2007) und Valdorf (2008) mitgewirkt habe, sowie die Begleitung von Partnerschaftsbesuchen z.B. bei der Dreierpartnerschaftsbegegnung im Kirchenkreis Lübbecke (August 2006) oder von ökumenischen Gästen, die unsere Kirchenkreise besuchen: Marlene Alastra (UCCP) in Herford in der Beratungs-stelle Nadeschda (27.10.2006), Bischof Kilaini (röm.-kath.) in Bad Oeynhausen(22.2.2007), Bischof Bagonza (ELCT-Karagwe-Diözese) am 22./23.9.2007 im Kirchenkreis Lübbecke, Bischof Dr. Munga (ELCT-Nordostdiözese) am 18.2.2008 in den Kirchenkreisen Vlotho und Minden. Hinzu kommt die Begleitung von ökumenischen Gästen während der Landessynoden in Bielefeld-Bethel.
Bad Oeynhausen, März 2008 Christian Hohmann
[1] Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia.