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In der Klinik »Kirche erlebbar« machen

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Haldem (WB). Erstmals haben sich die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises Lübbecke in der Klinik Schloss Haldem getroffen, um das Haus genauer kennenzulernen und einen Einblick in die Arbeit ihres Kollegen Michael Waterböhr zu bekommen. Dieser ist seit November 1993 als Klinikseelsorger in der Einrichtung tätig.

Vor einiger Zeit stellte er im Rahmen des Jahresdienstgespräches bei seinem Superintendenten Dr. Rolf Becker die Arbeit in der Forensik vor. Dabei entstand die Idee, einmal eine Pfarrkonferenz vor Ort abzuhalten und die große Suchtfachklinik (Maßregelvollzug), die vom Landschaftsverband Westfalen Lippe getragen wird, genauer kennen zu lernen.
Pfarrkonferenzen werden üblicherweise einmal im Monat am Mittwochvormittag abgehalten. Immer haben sie einen thematischen Schwerpunkt. Der Gottesdienst zu Beginn und das gemeinsame Frühstück gehören ebenso dazu wie der informelle Teil, wo alles besprochen werden kann, was im Dienstbereich von Bedeutung ist.
Der Kirchenkreis Lübbecke unternimmt regelmäßig solche Erkundungen, um die Kontakte zu ortsansässigen Firmen und anderen Einrichtungen zu entwickeln und zu pflegen. Nach einem Vorgespräch mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Ingbert Rinklake wurde der Besuchstermin vereinbart. An dem Treffen nahmen etwa 35 Pfarrerinnen und Pfarrer teil.
Rinklake begrüßte die Gäste und nach einer kurzen Andacht und dem von der Klinik angebotenen gemeinsamen Frühstück, berichtete er über den Hintergrund des deutschen Maßregelvollzuges, die Aufgabenstellung der Klinik und die Schwierigkeiten und Erfolge der Arbeit. Anschließend wurden vier Gruppen gebildet, die verschiedene Stationen und Arbeitsbereiche des Hauses besichtigten und im Gespräch mit einem Patienten dessen persönlichen Hintergrund und Entwicklung im Rahmen der Therapie kennen lernten.
Natürlich wurde auch der spezielle Aufgabenbereich des Krankenhausseelsorgers in den Blick genommen. Er umfasst die seelsorgerliche Begleitung von Patienten und Mitarbeitern im Maßregelvollzug. Das geschieht in der Regel in Einzelgesprächen, aber auch über Gruppenangebote.
Deshalb sind auch eine spezielle »Klinische Seelsorger- und eine Gesprächsführungsausbildung« nötig. Obendrein ist die Bereitschaft gefordert, sich auf problembeladene und schwierige Menschen einzulassen, die einen Weg aus Sucht und Kriminalität suchen und dabei manche Irrwege einschlagen. Das ist »Kirche hautnah«, ganz auf den Menschen ausgerichtet.
Das Angebot wird gern angenommen, weil viele Patienten bereits im Strafvollzug diese spezielle Seelsorge kennen und schätzen gelernt haben. In diesem Kontext heißt Seelsorge »Beziehung anbieten, Deutungsangebote machen und in der Krise Sinn stiften«. Natürlich spielen dabei auch das Gebet und der Gottesdienst eine wichtige Rolle.
In diesem »kirchlichen Rahmen« können Patienten sich ganz anders zeigen und bewegen als im Stationsalltag. Das ist entlastend und förderlich. Viele Patienten sind dankbar wenn sie besucht werden, immer gibt es Menschen, die eine Seelsorge wünschen und annehmen. Auch nach Abschluss der Therapie halten manche noch den Kontakt zum Pfarrer.
Michael Waterböhr findet zwar, dass seine Arbeit zunehmend schwerer wird, trotzdem möchte er sie nicht missen, weil er auch viel von den Patienten zurück bekommt. Nach seinen eigenen Worten hat er »in der Vergangenheit viele schöne Begegnungen in der Klinik gehabt und erhofft sich das auch für die Zukunft«.
In der Abschlussbesprechung machten die Besucher deutlich, dass sie von der intensiven und professionellen »Beziehungsarbeit« in der LWL-Klinik und den, im Vergleich zu Justizvollzugsanstalten, erstaunlich guten Ergebnissen überrascht waren.
WB Artikel vom 26.10.2011


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