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Cornelia Müller
Überall
im Kirchenkreis Lübbecke wurde am 4. März mit großer Beteiligung der
Weltgebetstag gefeiert. Diesmal hatten Frauen aus Chile die Liturgie
erarbeitet. An die Christen weltweit richteten sie die Frage „Wie viele
Brote habt ihr?“ und stellten das Gebot praktischer Nächstenliebe in den
Mittelpunkt.

Deshalb stand nicht nur in Rahden, wo 150 Frauen aus
den Kirchengemeinden Rahden und Alt-Espelkamp zum Gottesdienst in der
St.-Johannis-Kirche zusammengekommen waren, der Gedanke des Teilens im
Vordergrund. Das Vorbereitungsteam, das von den Pfarrerinnen Micaela
Strunk-Rohrbeck und Gisela Kortenbruck begleitet worden war, erinnerte
dabei noch einmal an das Erdbeben und die Flut in Chile 2010, als
Solidarität zur Glaubens- und Überlebensfrage wurde.

In Espelkamp
beteten und feierten Männer und Frauen aus sechs Gemeinden miteinander
im Gemeindehaus der Mennonitengemeinde.

Roswitha Bergmann verteilt Samen
Besonders beeindruckend war der
Augenzeugenbericht der Espelkamperin Roswitha Bergmann, die mit ihrer
Familie seit sechs Jahren in Chile zu Hause ist und das Erdbeben 2010
selbst miterlebt hat. „Wir beherbergten zwischen 30 und 40 Menschen bei
uns. Überall, wo Platz war, schliefen Menschen. Wir alle hatten große
Angst. Mein Sohn fragte: Fällt die Wand jetzt auf mich? Im Gebet haben
wir aber auch gespürt: Ich kann sicher sein, auch wenn es bebt.“

Wie
in Rahden und Espelkamp hatten auch die Frauen aus der Region Preußisch
Oldendorf, die den Gottesdienst im Gemeindehaus von Bad Holzhausen
vorbereitet hatten, viel Wert darauf gelegt, die Liturgie möglichst
lebendig zu gestalten. Das Land Chile und seine Menschen waren – in
typischen Produkten des Landes, in Bildern und Landkarten, die auf dem
Boden des Gottesdienstraums ausgebreitet waren – inmitten der Feiernden
gegenwärtig. Die Perikope von Elia und der Witwe von Sarepta, in der die
chilenischen Frauen viel von ihrer eigenen Geschichte wiedererkennen,
wurde nicht nur gelesen, sondern auch szenisch dargestellt. Diese
Geschichte zeige, dass es sich lohne, Nächstenliebe zu wagen, sagte
Pfarrerin Hilke Vollert: „Die Witwe, die keine Zukunft, keine Hoffnung
mehr hatte, teilte ihr Brot mit Elia und kehrte zurück auf den Weg des
Lebens. Teilt das Brot, auch wenn alles dagegen spricht. Dann werdet ihr
leben.
VON CHRISTIANE TIETJEN

Espelkamp. Vorgelebte Solidarität feierten Frauen aus sechs Gemeinden, dazu hatten sich sehr viele Besucherinnen und wenige männliche Besucher in der gastgebenden Mennonitenkirche in der John-Gingerich-Sraße eingefunden.
Martinsgemeinde, Marienkirche, die Gemeinde Frotheim-Isenstedt, die evangelische Freikirche und die Hoffnungsgemeinde hatten sich in einer beeindruckenden Aktion zusammengetan, um den Weltgebetstag der Frauen vorzubereiten und in lebendigem Miteinander gemeinsam zu begehen.
„Wie viele Brote habt ihr?“ heißt die Titelfrage des weltweiten Gebetstages, der in diesem Jahr Chile in den Mittelpunkt gestellt hat. Krasse Unterschiede von Arm und Reich, Pinochets Militärdiktatur, Naturkatastrophen haben das Land gebeutelt. Eine Augenzeugin, Roswitha Beckmann, die mit ihrem Mann und Kindern in Chile lebt und im missionarischen Dienst tätig ist, gab einen beeindruckenden, unter die Haut gehenden Kurzbericht vom Erlebnis des Erdbebens vom vergangenen Jahr.
Mit projizierten Fotos und Informationen über das Land malten die Frauen ein Bild von Kargheit und Ungerechtigkeit, aber auch von atemberaubender Naturschönheit und Menschen voller Lebensfreude. „Gracias á la vida – ich danke dem Leben“, die Frauenstimmen mit Gitarren- und Klavierbegleitung rührten an mit dem wunderbaren Lied von Violeta Parra. Lange Stoffbahnen in Blau (Pazifik), Grün (Küste) und Braun (Anden) schmückten die Kirche und stellten eine Verbindung her von Altarraum und Gemeinde. Wie es gehen kann, dass aus Wenigem viel wird, erzählte die Geschichte von der Speisung der 5.000 aus dem Markusevangelium – die geheimnisvolle Kraft, die in der Gruppe und im Teilen liegt, wird dort beschrieben. Dass auch Gottvertrauen dazu gehört, bebilderte ein Anspiel, in dem der Prophet Elia einer göttlichen Weisung nach Sarepta folgt, zu einer Witwe, die selber nichts hat, aber deren Öl- und Mehlvorräte sich wundersam von selber auffüllen.
„Informiert beten, betend handeln“ heißt das Motto des Weltgebetstages. Da hatte das intensive und sehr konkrete Beten genauso seinen Platz wie das Aufzeigen von Möglichkeiten, sich in unserer Stadt handelnd einzubringen, in Kinder-und Jugenddiensten, Hospiz, Stövchen und vielem anderen mehr – das machten die Frauen deutlich.
Eine stattliche Summe kam in der Kollekte zusammen, wiederum mit der Hoffnung verbunden, zur weltweiten Spendenaktion großzügig beizutragen. Gesellig ging es zu beim chilenischen Eintopf, zu dem der Ludwig-Steil-Hof Brote beigesteuert hatte, auch der Eine-Welt-Laden Undugu mit seinen fair gehandelten Produkten war im Gemeindesaal vertreten.