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Lübbecke: Die St. Andreas - Kirche

Namensgeber für die Kirche ist der Heilige Andreas, einer der zwölf Jünger Jesu, der nach der Legende den Märtyrertod erlitten hat.
Die Christen werden sich wohl während der Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen im Lübbecker Land verbreitet haben. Im Jahre 775 wird Lüb-becke das erste Mal als ein Ort namens Hlidbecki erwähnt.
Durch die Verbindung der Mindener Kirche zwischen Lübbecke und Minden entstand das sogenannte Stift Minden im Jahre 974. Seitdem ist die Geschichte von Stadt und Kirche bis Anfang des 19. Jahrhunderts mit Minden verbunden, deren Bischöfe zugleich die weltlichen Landesherren dieses Gebietes waren.
Die Kirche wurde 1160-1180 auf den Fundamenten einer Feldsteinkapelle als romanische Kreuzkirche erbaut. Der Turm war vorerst nicht höher als der First des Kirchendaches. 53 Jahre später wird die Andreas Kirche erstmalig urkundlich erwähnt.

Weitere 46 Jahre später wurde der Turm aus militärischen Gründen erhöht. Dieser wurde mit spät-romanischen Fenstern versehen.
1295 wurde die Kirche mit einem Kollegialstift, dem sogenannten Andreasstift, verbunden. Sechs Kanonikate und neun Vikarien umfasste das Stift. Die Aufgaben dieser lagen hauptsächlich im gottesdienstlichen Leben, gingen aber auch darüber hinaus und umfassten besonders die Kranken- und Altenpflege.
1350 wird die Kirche um gotische Seitenschiffe erweitert. Über dieses Ereignis berichtet über dem Nordportal eine lateinische Inschrift: »Im Jubeljahr 1350, als die Pest vorbei war, die Geißler durchgezogen sind und die Juden umgebracht wurden, ist auch diese Kirche erweitert worden.«
Die Reformation hat im Lübbecker Land früh ihren Einzug gehalten. Vermutlich hat die reformatorische Lehre im Stift Minden, also auch in Lübbecke, bereits 1524 Fuß gefasst.

Große Not über Lübbecke und Umgebung brachte der Dreißigjährige Krieg. Doch schon sehr bald kam es unter dem Einfluss des Pietismus zu einem regen kirchlichen Leben.
Der letzte Stiftsdekan, Karl von Varendorf, ordnete 1804 den allgemeinen Verkauf aller Wertsachen der St. Andreas - Kirche an. Sämtliche Grabsteine, die den Boden verzierten, wurden ausgehoben und als Treppenstufen, Scheunenpflaster oder Futtertröge in der Stadt benutzt. Alle Altäre wurden abgerissen. Die noch vorhandenen Grabsteine und Epitaphien verdanken ihre Erhaltung nur dem Einspruch der Nachkommen der Verstorbenen.

Die Standbilder der Kirche, das Pest- und Triumphkreuz, ein gotisches Sakramentshaus von 1499, sämtliche Abendmahlsgeräte, bis auf eine Patene, einen Kelch und eine Kanne, fielen dem »Bildersturm« der Aufklärung zum Opfer. Pastor Möller erweckte aber gerade in dieser Zeit die neue Zeit in Lübbecke. Neben der Erinnerung der Predigt trat die Erneuerung der Liturgie und Seelsorge. Es wuchs das Verständnis und die Teilnahme am Abendmahl.

In der St. Andreas - Kirche sind künstlerisch bedeutsam das Triumphkreuz im Chorraum (um 1200), das holzgeschnitzte Abendmahlsrelief (16.Jahrhundert) auf dem Altar (erbaut 1961), die spät-romanische Madonna (Ende 13.Jahrhundert) an der Nordwand, die Barockkanzel (1666), der Orgelprospekt (17. Jahrhundert); die Orgel selbst stammt aus dem Jahre 1961, die Emporenbrüstung (1561) sowie Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts in und an der Kirche. Hinzu kommt noch der romanische Taufstein (steht erst wieder seit 1961 in der Kirche). Im Turmraum steht der bis 1961 benutzte Taufstein (stammt aus dem 18.Jahrhundert).

1961 wurde die Kirche restauriert. Das im vergangenen Jahrhundert in die Ostwand des Chores eingebrochene Fenster wurde wieder geschlossen, die romanischen Fenster im Chor (Nord- und Südwand) wurden wieder auf ihre ursprüngliche Größe geöffnet.
Im Chorraum legte man romanische Fresken aus dem Mittelalter frei, die zum Teil an den Nord- und Südwänden noch gut erhalten geblieben sind. An der Ostwand aber war keine akzeptable Freilegung möglich, da das zerbrochene Fenster zu stark zerstört war. Auch in dem Seitenschiff wurden Malereien festgestellt. Diese konnten aber nur teilweise freigelegt werden.

Die Kirche hat heute vier Glocken. Die älteste wurde 1508 gegossen, die übrigen Glocken 1953.