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Kreiskantor Heinz-Hermann Grube

Die Rede vom KMD Heinz-Hermann Grube

Dass du hier weggehst, passt mir genauso wenig wie allen anderen.

Und dennoch: der Aufbruch gehört mit zu unserem Leben, gehört mit zu unserem Glauben.

Lieber Roger,
Du hast eine Menge erreicht in Espelkamp.
Für die Zeit deines Amtes an diesem Ort möchte ich dir persönlich und im Namen aller Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker im Kirchenkreis danken.
Ich habe es an manchen Stellen schon gesagt: ich durfte durch dich erleben, wie wohltuend starke Konkurrenz ist. Eine starke kirchenmusikalische Arbeit in Espelkamp wirkt sich befruchtend auch auf meine Arbeit aus.
Es ist anregend zu sehen, was der andere tut.
Stärken und Schwächen ergänzen sich.
Natürlich ist es auch Ansporn, zu sehen und zu erleben, was beim anderen alles geht.
Und es ist Genuss, zusammenarbeiten zu können.
Ich hoffe, dass dieses hier im Kirchenkreis noch mehr gesehen wird, wie bereichernd eine starke Kirchenmusik in Espelkamp für uns alle ist.
Ich danke dir für viele gemeinsame Projekte: kleine, wie die Durchführung der Kantatenwochenenden, große wie die gemeinsame Aufführung der Matthäuspassion, eingebettet in eine kirchenkreisweite Veranstaltungsreihe.
Ganz besonders habe ich die Zusammenarbeit in der Vorbereitung und Durchführung des Kreiskirchentags im letzten Jahr erlebt, wo wir gemeinsam das Lied zum Kreiskirchentag in einem erfrischend offenen Dialog zum Klingen gebracht haben.
Ich danke dir für deine Tätigkeit als Orgelsachverständiger. Du hast dich nicht nur unglaublich in die Materie eingearbeitet, sondern hattest Freude daran, die Orgellandschaft hier vor Ort wirklich zu verbessern.
Ich danke dir für deine Mitwirkung im kirchenmusikalischen Ausschuss,
für deine Ideen und Anregungen.
Es gibt ein paar Dinge, die ich an dir sehr bewundere.
Du hast einen klaren Blick, weißt Situationen gut einzuschätzen,
triffst ein sicheres Urteil.
Du bist einer, den man gut um Rat fragen kann.
Das habe ich gerne genutzt.
Du bist sehr gut organisiert.
Du kannst „nein“ sagen.
Davon möchte ich mir manchmal etwas abschauen.
Insgeheim beneide ich dich auch um dein feines italienisches Auto.

Und musikalisch:
Nur einen kleinen Aspekt nenne ich:
Du hast ein gutes Gespür für das richtige Tempo.
Das ist eine der entscheidenden Eigenschaften eines guten Musikers.
Du bist ein hervorragender Improvisator.
Es macht Freude, mit dir zusammen zu musizieren.
Auch ich möchte dir also einfach „Danke“ sagen.
Wir bleiben durch die gemeinsame Kirche miteinander verbunden. Das ist ein Trost.
Du warst eine lange Zeit hier in Espelkamp. Du hast immer betont: es ist gut, hier zu arbeiten. Du hast dich hier wohl gefühlt. Du fandest Herausforderungen hier und eine starke Gemeinschaft, die dich beim Erreichen deiner Ziele unterstützt hat.
Eine gute Gemeinde. Ein gutes Umfeld. Ich durfte es ja selbst auch einmal erleben.
Ich würde eine Stärke der Gemeinde so benennen: sie besitzt die Fähigkeit sich zu verändern.

Ich möchte dir gerne ein Buch mit dem Titel „Erinnerungsorte des Christentums“. Auch Espelkamp ist solch ein Erinnerungsort des Christentums. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Wir sind das wandernde Gottesvolk und schlagen hier nur unsere Zelte auf. Wir sind unterwegs. Davon zeugt nicht zuletzt diese eindrucksvolle Kirche.
Dass du hier weggehst, passt mir genauso wenig wie allen anderen. Und dennoch: der Aufbruch, die Veränderung, das können wir gerade hier sehen und lernen, gehört mit zu unserem Leben, gehört mit zu unserem Glauben.
So wünsche ich dir auf deinem weiteren Weg klare Orientierung, Glaubensmut und reichen Segen!

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„Machte Freude, mit Dir zu musizieren“
Evangelische Martinsgemeinde verabschiedet langjährigen Kantor Roger Bretthauer


VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Espelkamp. Kaum waren die letzten Klänge des Stücks „Die ganze Welt hast du uns überlassen“ verklungen, da hallte Beifall durch die Thomaskirche. Ein letztes Mal hatte Roger Bretthauer soeben die Chöre der evangelischen Martinsgemeinde geleitet. Mit der von ihm bearbeiteten Komposition setzte der Kantor einen musikalischen Schlusspunkt seines Schaffens in Espelkamp. Während des Gottesdienstes wurde er gestern in der Thomaskirche verabschiedet. Heute beginnt er seine Tätigkeit als Kantor in Lippstadt.
Knapp 14 Jahre lang hatte Roger Bretthauer als Kantor der evangelischen Martinsgemeinde die Kirchenmusik in der Stadt geprägt. Entsprechend groß war die Zahl derer, die beim anschließenden Festakt Dank sagten. Und viele wollten sich beim Empfang im Gemeindehaus persönlich von Bretthauer verabschieden.
Dieser Abschied zog sich wie ein roter Faden bereits durch den Gottesdienst, den Pfarrer Falk Becker hielt. Bretthauer habe seine große Gabe in das Lob Gottes eingebracht, sagte Becker. Viele habe er angeregt, in dieses Lob einzustimmen. Singen sei stimmiger Teil einer Gemeinschaft.
Vor wenigen Tagen habe er noch erlebt, dass sich Stimmen zusammenfügten und einen großen Klang bildeten, erinnerte er an die Aufführung des Bach’schen Weihnachts-Oratoriums. Den Wohlklang des Gotteslobs habe Bretthauer in der Gemeinde über viele Jahre gefördert. Dafür sei man dankbar, meinte auch Günter Lückemeier als Vertreter der Martins-Gemeinde.
„Espelkamper Modell“ war beispielloser Kraftakt
Hans-Jörg Schmidt, Vorsitzender des Kirchenmusik-Fördervereins und damit Chef des Kantors, erinnerte an das besondere „Espelkamper Modell“. Nachdem der Kirchenkreis aus der Finanzierung der vollen Kantoren-Stelle ausgestiegen sei, hätten sich der Verein und viele Spender um die Fortführung der Arbeit bemüht.Schmidt sprach hierbei von einem „beispiellosen Kraftakt“. Diese Solidarität habe Bretthauer gegolten. Auch der Kirchenkreis habe sich eingebracht.
Die Kirchenmusik in der Stadt habe Bretthauer geprägt und immer wieder zu neuen Höhepunkten geführt – mit Auswirkungen über die Stadt hinaus. „Freundschaften und Bindungen entstanden. Die enden nicht, sondern gehen weiter“, sagte Schmidt.
Bretthauer unterrichtete auch am Espelkamper Söderblom-Gymnasium. Dessen Leiterin Christiane Seibel erinnerte daran, dass am gestrigen Sonntag der 146. Geburtstag von Nathan Söderblom war. Von Söderblom stamme die Aussage, dass Bachs Passionsmusik das fünfte Evangelium seien. Davon habe man in der Amtszeit Bretthauers einiges erleben können. Durch den Kantor sei das Gymnasium zu einer singenden Schule geworden. Das wolle man hegen – und hoffe auf ein Wiedersehen. Seibel lud Bretthauer schon jetzt ein, als Ehrengast beim 60. Jubiläum der Schule im kommenden Jahr dabei zu sein.
Bretthauer sei ein exzellenter Botschafter der Kirchenmusik, dankte Superintendent Dr. Rolf Becker. Es habe ihm und vielen anderen vor sechs Jahren sehr leid getan, dass der Kirchenkreis aus Sachzwängen heraus aus der Finanzierung der Stelle ausgestiegen sei. Vorbildlich und zukunftsweisend habe der Förderverein den Stab übernommen. Wenn sich nun Menschen wie Bretthauer einen neuen Erfahrungshorizont erschließen wollten, dann dürfe man sie nicht aufhalten.
Eine gewisse Konkurrenz sei gut für die Kirchenmusik, sagte Kreiskantor Heinz-Hermann Grube. „Es machte Freude, mit Dir zu musizieren.“ Veränderungen und Aufbruch gehörten aber zum Glauben dazu, ergänzte er.
Von einem Verlust für das kulturelle Leben der Region sprach Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker, der den Chören Bretthauers ein „großartiges musikalisches Niveau“ bescheinigte. Er hoffe, dass dieses gut bestellte Feld nicht brachliegen werde und das „Espelkamper Modell“ Zukunft habe. Vieker: „Lippstadt weiß noch gar nicht, wie glücklich es sein darf, einen solchen Kantor zu haben.“

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Leon
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Ein Abschied mit viel Wehmut


Kantorei, »Vokal Fatal« und der Bläserchor haben Roger Bretthauer musikalisch verabschiedet und ihm für sein Wirken gedankt. Der beliebte Kantor ist 14 Jahre in der Gemeinde tätig gewesen. Jetzt übernimmt er neue Aufgaben in Lippstadt. Fotos: Felix Gröting
Nach 14 Jahren verlässt Roger Bretthauer die Martinskirche - Gemeinde dankt ihrem Kantor
Von Felix Gröting
Espelkamp (WB). Nach fast 14 Jahren als Kantor der Martinskirchengemeinde in Espelkamp ist Roger Bretthauer in einem festlichen Gottesdienst aus dem Amt verabschiedet worden. Er tritt die Kantorenstelle in der Kirchengemeinde Lippstadt an.

An dem von Pfarrer Falk Becker geleitetem Gottesdienst nahmen auch die Chöre Bretthauers teil. Becker bedankte sich bei Bretthauer für das »wohlklingende Gotteslob« und die Früchte seiner Arbeit. Vor allem die Chöre der Kantorei und »Vokal Fatal« sowie der Posaunenchor steuerten viele Lieder bei, wie etwa eine à capella Version von »Tochter Zion« oder »Te deum laudamus«. Aber auch eine Band, bestehend aus Friedhelm Diekemper (Saxophon), Tobias Kleffmann (Schlagzeug), Ralf Weber (Bass) und Mathias Westerkamp (Flügel) sowie Christoph Heuer an der Orgel gestalteten den Gottesdienst mit.

Nach dem eigentlichen Gottesdienst ergriff Hans-Jörg Schmidt, der Vorsitzende des Fördervereins für Kirchenmusik, der die Kantorenstelle seit 2005 unterstützt, als erster das Wort: »Ich finde so einen Abschied mit dem vollen Ensemble gut. Das ist ein Abschied mit einem Paukenschlag.« Bretthauer habe das Kirchenleben in Espelkamp geprägt und seine inspirierende erfrischende Art habe die Gemeinde ständig zu neuen Hochs geführt, erzählt Schmidt weiter. Außerdem betonte er die starke Bindung Bretthauers zu den Chören, die er gegründet (Vokal Fatal) oder mitaufgebaut habe.
Als Nächster verabschiedete Günter Lückemeier im Namen der Gemeinde und des Presbyteriums den Kantor. Er betonte, dass Bretthauer die Gottesdienste bereichert und der Gemeinde neues Liedgut näher gebracht habe. »Er hat auch auf Konzerten genau den richtigen Mix aus traditionellen Liedern und neuem Liedgut getroffen. Die Zeit war segensreich und ich bin froh, dass der Weggang aus Espelkamp kein Weggang aus der Kirche ist. In jedem Ende steckt auch ein neuer Anfang.«
Neben seiner Stelle als Kantor arbeitete Roger Bretthauer auch als Chorleiter am Söderblom-Gymnasium. Schulleiterin Christiane Seibel: »Roger Bretthauer hat den Funken entzündet. In der Musik wächst auch der Glaube.« Superintendent Dr. Rolf Becker: »Ich habe viele Artikel mit sehr guten Kritiken über die Musik von Roger Bretthauer gesammelt und kann mich diesen Kritiken nur anschließen. Seine Musik ist von allerhöchster Qualität.«
Kreiskantor Heinz-Hermann Grube ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, seinen Freund zu verabschieden: »Du hast hier eine Menge erreicht und bist im Kreis so ziemlich die stärkste Konkurrenz«, scherzte er. »Ich beneide dich um dein sicheres Urteilsvermögen, deinen guten Blick und deine gute Organisation.«
Bürgermeister Heinrich Vieker: »Roger Bretthauer hat die Kirchenmusik im Kreis stark geprägt und ihr seinen Stempel aufgedrückt. In der Öffentlichkeit ist er ein sehr guter Musiker, aber für seine Schüler vor allem ein sehr guter Lehrer.«
Am Ende hatte nur noch einer ein paar Worte zu sagen - Roger Bretthauer selbst. Er dankte den Sängern, den Menschen der Gemeinde und dem Presbyterium für die Unterstützung während seiner Zeit in Espelkamp, vor allem während des finanziellen Bruches im Jahr 2005. Zum Schluss dirigierte Bretthauer zum letzten Mal ein Lied mit den Chören und der Gemeinde, das auf einem Gedicht von Wilhelm Busch basiert.
WB Artikel vom 16.01.2012




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