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“angenommen-angekommen bei Gott" – ARD übertrug Reformationsgottesdienst aus Espelkamp

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„Ihr müsst nicht fehlerlos sein“
Espelkamper Schüler gestalteten Fernsehgottesdienst

Von Aylin E. Dresing

Espelkamp Schon seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf den deutschlandweit übertragenen Fernsehgottesdienst auf Hochtouren: Die Gestaltung des Gottesdienstes lag hierbei in den Händen der Schülerinnen und Schüler der Birger-Forell-Realschule und des Söderblom-Gymnasiums Espelkamp, die am vergangenen Montag nicht nur Szenen, sondern auch Lieder zum Thema Reformation erfolgreich vortrugen.

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„Ihr müsst nicht fehlerlos sein“, der Luther-Darsteller Achim Schultz hebt seine Arme hoch und verkündet mit fester Stimme Luthers Wort. Vor einigen Tagen noch, waren keine Kameras auf den Schüler der zwölften Klasse gerichtet als er mit seinen Mitschülern das von ihnen verfasste Anspiel übte. Jetzt steht er vor seiner Heimatgemeinde und wird deutschlandweit in viele Wohnzimmer übertragen.

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Bei dem Anspiel geht es weitaus um mehr als nur einen Schulausflug: Die Mitschüler Pascal, Linda und Martine (gespielt von den Schülern Pascal Matuszczak,17 , Linda Titkemeier, 19, und Martine Klein, 17) beschäftigen sich mit dem Leben Martin Luthers und wollen eine seiner Wirkungsstätten besuchen. Während der Busfahrt unterhalten sie sich über den Glauben: Linda hat gerade eines ihrer Elternteile verloren und trauert noch, der Vater von Martine ist gerade arbeitslos geworden und Pascal ist von Grund auf ein Zweifler – er nämlich glaubt nur an das was er sehen, begreifen und anfassen kann. Da setzt die Geschichte Luthers ein: Parallel zu der Geschichte der drei jungen Menschen erzählt uns Luther seine Geschichte. Er nämlich wurde von Gedanken geplagt, nicht „gut genug“ zu sein, oder „zu wenig“ zu glauben bis er verstand, dass Gott ihn angenommen und verstanden hat.

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Vor dem Gottesdienst war die Aufregung groß: Lehrer, Schüler und alle anderen Beteiligten waren sehr angespannt. „Man spürt die Nervosität der Mitwirkenden. Wir tragen ja auch während der Übertragung viel Verantwortung“, sagt Vivien Hendler, ehemalige Schülerin der Birger-Forell-Realschule. „Aber die Vorbereitungen sind sehr gut organisiert und koordiniert“, erklärt die 17-Jährige weiter. Als die Schulleitungen beider Schulen von der Landeskirche angesprochen wurden, konnten diese nicht ablehnen. „Es war eine schöne Aufgabe diesen Gottesdienst zu gestalten, auch wenn es sehr viel Zeit und Mühe gekostet hat“, sagt Christiane Seibel, Schulleiterin des Söderblom-Gymnasiums.

Die Aufgabe war es, eine Verbindung zwischen der historischen Geschichte Luthers und der heutigen Zeit und den einhergehenden Problemen zu schaffen. Gestalten durften nur die Schülerinnen und Schüler. Was am Ende dabei herauskam war ein Musical das dieses Mal besonders die jugendlichen Zuschauer ansprechen sollte. Sabine Tröndle, 51 freute sich über die jugendliche Gestaltung: „Mir gefiel der Gottesdienst sehr gut!“, sagte sie nach dem Besuch.

So waren alle Darstellerinnen und Darsteller erleichtert, als um Punkt 11 Uhr morgens die Kameras ausgingen und der Gottesdienst erfolgreich zu Ende war und feierten gemeinsam die Arbeit, die sie sechs Monate für die Organisation und Gestaltung und auch eine Woche Ferienzeit für die Probe gekostet hatte. „Ich hatte sehr viel Respekt vor meiner Aufgabe den Gottesdienst zu moderieren und jetzt bin ich einfach nur stolz, dass alles so gut funktioniert hat“, resümiert die 16-Jährige Tanja Dittmann nach dem Gottesdienst.



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Deutschland blickt auf Espelkamp
Eindrucksvoller Reformationsgottesdienst mit überraschendem Ende

VON KARSTEN SCHULZ

Espelkamp. Es ist Montagmorgen, 9.30 Uhr. Reformationstag. Eigentlich verirrt sich um diese Zeit kein Gottesdienstbesucher in die Thomaskirche. Doch am 31. Oktober 2011 ist alles anders. Das Fernsehen ist da. Unübersehbar. Mit vier großen beweglichen Kameras, einem mitunter heftig gestikulierenden Aufnahmeleiter in Höhe der Orgel und jede Menge Kabel und große Scheinwerfer, die am Fenster befestigt sind und heftig blenden. Am 31. Oktober 2011 ist die Kirche voll – auch am Montagmorgen am Reformationstag.
Gerd Höft, seit 1992 evangelischer Rundfunkbeauftragter beim WDR, hat in der halben Stunde bis Sendebeginn um 10 Uhr noch viel zu tun. „Sie da hinten, kommen Sie doch nach vorne, hier sind noch einige Plätze frei. Das sieht nachher nicht gut aus.“ Eine ältere Frau: „Da kann ich ja auch besser sehen“. Sie tut, wie ihr geheißen. Acht Männer und Frauen trauen sich ebenfalls.
9.40 Uhr beginnt das volle Geläut. „Hoffentlich können Sie mich verstehen. Ich muss noch ein paar wichtige Dinge ansagen.“ Er ist der Profi in Sachen „Warming Up“. Ein paar flotte Sprüche und er hat die Lacher auf seiner Seite. Espelkamps Gemeinde entspannt sich. „Sie erleben jetzt einen Gottesdienst, der völlig anders ist, als sie es gewohnt sind“, bereitet er die Gläubigen vor. „Es ist viel Bandmusik vorhanden, vorne gibt es Spielszenen, es kommt kein Pfarrer, sie müssen viel singen.“
Und noch etwas ganz Wichtiges: „Stellen Sie die Handies aus.“ Höft wird direkt: „Bis um eine Minute vor 10 Uhr können Sie noch so viel reden mit ihrem Nachbarn wie sie wollen. Aber um eine Minute vor 10 muss es mucksmäuschenstill sein. Ich will auch keinen Huster mehr haben.“ Um eine Minute vor zehn ist noch ein einsamer Handy-Trailer in irgendeiner Tasche zu hören. Dann ist es still.
Um zehn Sekunden nach 10 Uhr bekommt Roger Bretthauer ein Zeichen vom Sendeleiter: Der Kantor beginnt zu spielen. Ab jetzt blickt ganz Deutschland auf Espelkamp.
Die Gemeinde bleibt ganz ruhig. keiner traut sich noch ein Wort zu sagen. Alles blickt gebannt nach vorne, hört dem Spiel von Band und Chor und vom Kantor zu. Lässt sich ein auf die Spielszenen, die Begegnung der Jugendlichen mit Luther und singt artig die auf dem Liedzettel aufgeführten Lieder mit.
Erst beim Schlusslied „Angenommen – angekommen bei Gott“ tauen die ersten auf. Sie klatschen mit. Und als die Lichter der Kameras wieder aus sind brandet erlösendes Klatschen und Jubel in der Thomaskirche auf.
Doch jetzt gibt’s noch eine Überraschung. Gerd Höft ist mit dem letzten Bild aus der Thomaskirche in den Ruhestand getreten. Und das ist sowohl dem WDR wie der Martinsgemeinde eine kleine Ehrung wert. Band, Chor und Gemeinde singen ihm ein Abschiedslied.
NW 1.11.2011

KOMMENTAR
Fernseh-Gottesdienst Absoluter Image-Gewinn

VON KARSTEN SCHULZ

Schüler und Lehrer haben fast ein Jahr lang geprobt, diskutiert, geschrieben und viel nachgedacht. Am Schluss – mitten in den Ferien und am Wochenende – tägliche stundenlange zermürbende Proben mit dem Fernsehteam. Doch das Ergebnis hat alle Mühen gerechtfertigt. Die jungen Männer und Frauen vom Söderblom-Gymnasium und Birger Forell-Realschule sowie das Lehrer-Team haben mit diesem Fernsehgottesdienst in einer Stunde mehr fürs Image der Stadt getan als viele Kampagnen und Hochglanz-Broschüren der Vergangenheit. NW 1.11.2011

Vielen Dank für die große Mühe

Espelkamp. Auf den Fernsehgottesdienst „Deutschland blickt auf Espelkamp“ ( NW-Ausgabe vom 1./2. November) gab es folgenden Leserbrief von einem ehemaligen Schüler des Söderblom-Gymnasiums.

Liebes Schülerteam, und andere Mitarbeiter.

Am vergangenen Montag hatte ich die Gelegenheit den Gottesdienst zum Reformationstag am Fernsehen zu verfolgen.
Ich fand die Idee und Aussage sehr ansprechend und die Leistungen und Ausführung waren hervorragend. Ob Moderation, Schauspiel, Gesang/Musik, Lesungen/Gebet die Vorträge wurden mit großer Professionalität und Können und sprachlicher Deutlichkeit (auch freies Sprechen) vorgetragen.
Man merkte auch nichts von Nervosität, die man doch besonders bei einem Fernsehauftritt erwarten würde.
Vielen Dank für die viele Mühe und Arbeit bei dieser gelungenen Sendung.
Andreas Nolte NW 4.11.2011

 

Note eins für den TV-Gottesdienst

Schüler der Birger-Forell-Realschule und des Söderbloms begeistern in der Thomaskirche die Besucher

Von Felix Quebbemann
Espelkamp (WB). In der Kirche ist es ja vor Beginn immer sehr ruhig. Am gestrigen Montag aber war es in der Thomaskirche mucksmäuschenstill, ehe Kantor Roger Bretthauer schließlich mit seinem Orgelvorspiel »Blues durch den Tag« den Gottesdienst zum Reformationstag eröffnete.

Grund für die Stille war, dass die ARD mit einem Fernsehteam in der Thomaskirche vor Ort war, um den Gottesdienst live auf dem Ersten zu übertragen (die ESPELKAMPER ZEITUNG berichtete im Vorfeld mehrfach).
Und sowohl die Besucher in der sehr gut besuchten Thomaskirche wie auch die zahlreichen Zuschauer am Fernsehen durften einen mehr als gelungenen Gottesdienst erleben, der von den Schülern der Birger-Forell-Realschule und des Söderblom-Gymnasiums bestens vorbereitet und gestaltet wurde.
»Ich habe schon ein wenig unruhig geschlafen«, gestand Realschulleiterin Christiane Kreft kurz vor Beginn des Gottesdienstes. Aber sie wie auch Söderblom-Leiterin Christiane Seibel waren sich 100-prozentig sicher, dass ihre Schüler durch die zahlreichen Proben »alles im Griff haben«.
Pfarrer Gerd Höft, der die TV-Leitung der Veranstaltung inne hatte, lobte bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Übertragung das Engagement der Schüler. »Ich war gestern bei den Proben dabei und war begeistert.« Er sollte Recht behalten. Denn was die Schüler eine Stunde lang in der Thomaskirche darboten, war ein nicht alltäglicher Gottesdienst, der die Geschichte der Reformation auf zwei Ebenen behandelte - zum einen aus Sicht einer Schülergruppe, die sich im Bus über Religion unterhält. Zum anderen aus Sicht Martin Luthers und wie dieser vom Jura-Studenten zum Mönch wurde.
Ein besonderer Clou der Geschichte war, dass in der letzten Szene beide Ebenen in der Wartburg aufeinandertrafen. Begleitet und aufgelockert wurden die Szenen durch zum Teil selbst geschriebene Lieder von einem Schülerchor, einer Band und Kantor Roger Bretthauer.
Sollten die Schüler von den zahlreichen Kameras, die durch die Kirche geschoben wurden, beeindruckt gewesen sein, so zeigten sie dies jedenfalls nicht. Souverän und mit klaren Stimmen führten sie die Besucher durch ihren sehr kurzweiligen und auch unterhaltsamen Gottesdienst. Beim Schlusslied hielt es die Besucher auch nicht mehr zurück und sie klatschen begeistert im Takt.
Als Überraschung wurde Gerd Höft zudem am Ende noch ein Abschieds-Ständchen gebracht, denn Höft ging mit dieser Live-Produktion in seinen Ruhestand.
Die Schüler und auch die beteiligten Lehrer können mit ihrem TV-Gottesdienst sehr zufrieden sein. Auch die Besucher der Thomaskirche sowie die TV-Zuschauer dürften sich noch länger an diesen außergewöhnlichen Gottesdienst erinnern. Denn der hat gezeigt, dass Kirche, Geschichte und Religion ganz und gar nicht langweilig sein müssen - ganz im Gegenteil. Der Gottesdienst war spannend und unterhaltsam. Und man konnte zu jeder Zeit den Schülern anmerken, dass sie die langwierigen Proben - auch in den Ferien - hierfür gerne auf sich genommen haben. Der langanhaltende Applaus für die überzeugenden Leistungen der Jugendlichen sprach eine eindeutige Sprache.
WB Artikel vom 01.11.2011

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Küster Stefan vor der Kamera.


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