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Kirchenkreisstiftung lud zum Jahresempfang nach Espelkamp

Staatssekretär auf der Kirchenbank

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Die Kirchengemeinden leiden unter Mitgliederschwund. Um unabhängig von den sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer zu sein, ist 2008 die evangelische Kirchenkreisstiftung Lübbecke ins Leben gerufen worden. Sie unterstützt Bauprojekte und Veranstaltungsreihen. Im Rahmen seiner dritten Familienwoche hat der parlamentarische Staatssekretär und heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter gestern die Kirche in Schnathorst besucht, um sich über das Engagement der Stiftung zu informieren. Die Kirchturm-Sanierung in Schnathorst ist einst als erstes Bauprojekt mit 3000 Euro gefördert worden. Kampeter hob hervor, wie wichtig ihm der christliche Bezug sei. Die Stiftung bezeichnete er als »Fortentwicklung von Kirche im 21. Jahrhundert«. Sie setze da an, wo die Gemeinde finanziell oder organisatorisch überfordert sei. Einen Rundgang durch die Kirche machten (von links): Pfarrer Friedrich Stork, Pfarrer Bernhard Laabs, Pfarrer und Vorstandsmitglied Steffen Bäcker, Steffen Kampeter, der stellvertretende Bürgermeister Klaus Buchholz, Vorstandsmitglied Jürgen Kreimeier, Kreiskantor Heinz-Hermann Grube, der Espelkamper Kantor Roger Bretthauer und Pfarrer Jürgen Giszas.Foto: Kathrin Kröger
WB Artikel vom 10.09.2010

Vorbildliche Kirchenstiftung
Staatssekretär Steffen Kampeter hielt Grundsatzrede beim Jahresempfang

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VON VOLKER KNICKMEYER

Altkreis Lübbecke / Espelkamp. Amerikanische Milliardäre wie Bill Gates machen es vor: Sie stiften schon zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens. Auch in Deutschland gibt es zusehends mehr Stiftungen. Eine davon ist die Evangelische Kirchenkreisstiftung Lübbecke. Sie fördert kirchliche und diakonische Projekte und Aufgaben im Kirchenkreis Lübbecke und seinen Gemeinden.

Hierzu gehören beispielsweise Kinder- und Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Kirchenmusik und Seelsorge. Auf dem jetzt im Espelkamper Ludwig-Steil-Hof stattgefundenen Empfang der Stiftung wies Vorsitzender Pfarrer Steffen Bäcker (Pr. Oldendorf) darauf hin, dass auch das Kirchengebäude in Schnathorst im vergangenen Jahr mit Hilfe der Stiftung saniert worden sei. Unterstützt wurden unter anderem auch ein ökumenisches Chorprojekt sowie eine Calvin-Ausstellung. Eingeladen zur Jahresversammlung waren nicht nur zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, sondern auch Steffen Kampeter, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium in Berlin. Er referierte zum Thema „Markt oder Staat.“ Kampeter bezeichnete das deutsche Wirtschaftssystem trotz aller Kritik als Erfolgsmodell, mit der Sozialen Marktwirtschaft nach der Prägung von Ludwig Erhard sei man im Grunde gut gefahren. Das Ausland beneide die Deutschen dafür. 1949 habe man sich für die Soziale Marktwirtschaft entschieden und im Jahre 1989 – nach der Wende – ebenfalls.

Jetzt, 20 Jahre später, stellen sich Verantwortliche in Politik und Wirtschaft die Frage, wie es im Hinblick auf die entfesselten Finanzmärkte weitergehen solle. Eine soziale Marktwirtschaft mit entsprechenden Regeln müsse es auch für die Finanzwelt geben. „Freiheit geht nicht ohne Verantwortung,“ betonte der Mindener CDU-Bundestagsabgeordnete.

Kampeter betonte auch das gute Verhältnis zwischen Kirchen und dem Staat in Deutschland. Einrichtungen wie die Kirchenkreisstiftung seien vorbildlich und ein Indiz dafür, dass der Staat nicht alles regeln kann und soll. Private Initiativen seien unerlässlich.
Eingerahmt von Kirchenplakaten: Finanz-Staatssekretär Steffen Kampeter, der höchste politische Repräsentant des Kreises Minden-Lübbecke in der Bundesregierung, hielt vor hochrangigen evangelischen Kirchenvertretern eine Grundsatzrede zum deutschen Wirtschafts- und Finanzsystem. FOTO: KNICKMEYER

Zwischen Markt und Staat
Kampeter Gastredner beim Empfang im Volkeninghaus

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Von Felix Quebbemann
Espelkamp (WB). Einen Ausflug in die Geschichte der sozialen Marktwirtschaft hat am Mittwochabend Staatssekretär Steffen Kampeter, Mitglied des Bundestages (CDU), im Ludwig-Steil-Hof unternommen.

Auf Einladung der evangelischen Kirchenkreisstiftung Lübbecke war er als Ehrengast zum Empfang im Volkeninghaus geladen und sprach dort zum Thema »Markt oder Staat - wo liegt die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenlebens«.
Superintendent Dr. Rolf Becker, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, begrüßte zu Beginn die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und erklärte, dass die Stiftung schon lange versucht habe, Steffen Kampeter als Gastredner zu gewinnen.
Hausherr Pfarrer Stefan Bäumer umriss in ein paar Sätzen die Funktion des Volkeninghauses ehe Steffen Bäcker, Vorsitzender des Vorstandes, das Mikrophon übernahm. Er betonte unter anderem die Bedeutung der Stiftung zur Unterhaltung und zur Erhaltung der Kirchengebäude. So erklärte Bäcker, dass die Stiftung finanziell die Renovierung zahlreicher Gotteshäuser unterstützt habe.
Mit der Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft vom Zweiten Weltkrieg bis heute beschäftigte sich Steffen Kampeter. Er betonte: »Die Soziale Marktwirtschaft ist eine Ordnung der Freiheit, allerdings mit einem klaren Verantwortungsbereich.« Denn eine Freiheit ohne Verantwortung habe die Gefahr abzugleiten.
In einem unterhaltsamen Vortrag gespickt mit erheiternden Rückblenden, zum Beispiel in die Zeit von Helmut Kohl und Maggie Thatcher, verstand es Kampeter, sein Publikum für die Problematik Staat oder Markt zu sensibilisieren. Er stellte klar, dass er es für notwendig halte, als Staat dort einzugreifen, wo der Markt nicht funktioniere - zum Beispiel bei den Tarifverträgen. Kampeter nannte dabei das Stichwort Mindestlöhne. Als eines der wichtigsten Prinzipien der Marktwirtschaft bezeichnete der Staatssekretär das Haftungsprinzip. Denn »wer haftet, handelt verantwortungsvoll«.
»Arbeit geht vor Verteilen. Aber ohne Umverteilung geht es nicht«, betonte Kampeter. Er sagte, dass immer mehr materielle Dinge aufgewendet werden, um soziale Gerechtigkeit herzustellen. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Umverteilung steige jedoch. In diesem Zusammenhang betonte er, dass die Regierung nicht vorhabe, das Elterngeld zu kürzen. »Jeder hat ein Anrecht darauf.« Doch würden bestehende Förderungen angerechnet. »Eine Doppelförderung schließen wir aus.«
Auch auf die Lebensarbeitszeitverlängerung ging Kampeter ein. Zu Zeiten seines Urgroßvaters hätten noch acht bis neun Menschen die Rente finanziert. »1963 haben vier bis fünf Menschen den Anspruch finanziert. In 20 Jahren sind es aber gerade noch zwei Personen.«
Abschließend kam der Staatssekretär zu dem Fazit: »Markt und Staat sind lediglich Instrumente und haben eine dienende Funktion.« Wohingegen regionale Verantwortungswahrnehmung, wie es die Kirchen tun würden, mehr Gemeinsinn schaffen würden.
WB Artikel vom 10.09.2010


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