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Von Cornelia Müller
Lübbecke (WB).
Der Lübbecker Kultursommer hat kaum begonnen, da kann er bereits mit einem ersten musikalischen Höhepunkt aufwarten. Knapp 200 Zuhörer in der St.-Andreas-Kirche sind am Sonntag vom Auftritt des Blechbläser-Quintetts der Herbert-von-Karajan-Stiftung ganz »Hin und Weg« gewesen. Schon der Konzertauftakt war spektakulär: Samuel Scheidts »Battle-Suite« faszinierte mit immer schneller werdenden Tonfolgen, immer kunstvoller ausgeformten Melodien, und die Trompeten lieferten sich zur Freude der Zuhörer eine regelrechte Schlacht (»battle«) darum, wer wohl der größere Virtuose sein mochte.
Allerdings: Das ausnahmslos hervorragende Ensemble machte es schier unmöglich, diese Frage zu beantworten.
Seine fünf Musiker stammen aus vier verschiedenen Ländern. Bálazs Tóth (erste Trompete) und Jószef Vörös (Posaune) sind Ungarn, Jörg Altmannshofer (zweite Trompete) stammt aus Deutschland, Andrej Zust (Horn) aus Slovenien und Andreas Fuetsch (Tuba) aus Österreich. Musikalisch jedoch scheinen für dieses Ensemble keine Grenzen zu existieren. Als Stipendiaten der von Herbert von Karajan begründeten Orchester-Akademie gehören die jungen Instrumentalisten zum viel versprechenden Nachwuchs der Berliner Philharmoniker.
In der St.-Andreas-Kirche konnten sie nicht nur mit ihrem fein abgestimmten, vollen Ensembleklang begeistern. Das Quintett verband höchste Dynamik mit scheinbar müheloser Intonation und einem sehr farbenreichen Spiel, das die Eigenheiten der ausgewählten Kompositionen sehr gut zur Geltung brachte. So erklang Bachs »Kleine Fuge in G-Moll« sehr kultiviert, zurückhaltend und warm in der Tongebung, während das Blech bei Kurt Weills »Dreigroschenoper-Suite« ruhig einmal ein wenig scheppern durfte, um das Schrille, Halbwelthafte der Komposition zu betonen.
Tubist Andreas Fuetsch führte im lockeren Plauderton durch das sehr kontrastreiche Programm, in dem Klassiker der Blechbläserliteratur (Victor Ewalds »Quintett Nr. 3«) ebenso wenig fehlten wie zeitgenössische Kompositionen (Witold Lustoslavski: »Mini Ouverture«, Enrique Crespo«).
Da blieben wirklich keine Wünsche offen: Das Konzert des Blechbläser-Quintetts bot in der Lübbecker St.-Andreas-Kirche internationale Bläsermusik aus fünf Jahrhunderten in selten gehörter Vollendung.
WB Artikel vom 28.07.2010
VON IMME LOREK
Lübbecke. Das Blechbläserquintett der Herbert-Von-Karajan-Stiftung bot dem Publikum in der gut besuchten Sankt Andreaskirche am Sonntagabend Hörgenuss auf höchstem Niveau. Die Stipendiaten der Berliner Philharmoniker schlugen dabei einen musikalischen Bogen.
Von Barockkomponisten über den Romantiker Victor Ewald bis hin zu Kurt Weills Dreigroschenoper-Suite und zeitgenössische Komponisten erstreckte sich das Repertoire, wobei Tubist Andreas Fuetsch aus Österreich durch das Programm führte.
Reizvoll war auch die internationale Besetzung des Ensembles aus vier europäischen Ländern. So kommen der erste Trompeter, Bálazs Tóth, sowie der Posaunist, Jószef Vörös, aus Ungarn, der Hornist Andrej Zust hingegen aus Slowenien und der zweite Trompeter, Jörg Altmannshofer, aus Deutschland.
Dass alle fünf Musiker musikalisch und technisch brillant spielten, hatten die Zuhörer wohl erwartet, ebenso dass sie ein perfekt aufeinander eingespieltes Team waren. Bei den Barockkomponisten, der Battel-Suite von Samuel Scheidt und Johann Sebastian Bachs „Kleine Fuge in G-Moll“ fiel auf, dass das Ensemble mit einer für Blechbläser fast ungewöhnlichen Leichtigkeit vor dem Publikum einen lockeren Klangteppich ausbreitete. In dem „Doppelkonzert d-Moll“ von Antonio Vivaldi und J. S. Bach verblüffte insbesondere das virtuose und leichtfüßige Spiel des Tubisten auf seinem ansonsten eher behäbigen Instrument. Mit dem romantischen „Quintett Nr.3“ von Victor Ewald, einem Klassiker der Blechbläsermusik, beschloss das Ensemble den eher konzertanten Teil des Abends.
Nach der Pause wurde es mit Kurt Weills Dreigroschenoper-Suite eindeutig moderner. Die fünf Musiker entführten das Publikum in die skurrile Londoner Unterwelt mit ihren zwielichtigen und verschrobenen Gestalten, die durch die einzelnen Instrumente überzeugend skizziert wurden. Besonders einprägsam war der bekannte Song des Räubers Mackie Messer „Und der Haifisch, der hat Zähne“, den der Posaunist verwegen rüberbrachte.
Den krönenden Abschluss bildete die „Suite Americana“ in fünf Sätzen von Enrique Crespo, der als Gründungsmitglied von „German Brass“ völlig neue Rhythmen in die Blechbläsermusik einführte.
Das Ensemble präsentierte sich als gut eingespielte Jazzband, die mit lässig gespieltem Swing das Publikum mitriss. Während im zweiten Satz die Soli beeindruckten, die bis in jubelnde Höhen kletternde Posaune und die erstaunlich weichen Töne der Tuba, brillierte in den folgenden Sätzen das gesamte Ensemble mit seiner Klangfülle und seinem feurig geschmetterten Finale.
Das von der exzellenten Leistung begeisterte Publikum konnte den Musikern abschließend einige Zugaben entlocken.
© 2010 Neue WestfälischeZeitung für den Altkreis Lübbecke, Dienstag 27. Juli 2010