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Herzenssachen

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Ulrich Hüsemann,
Jugendpfarrer des
Kirchenkreises Lübbecke

Wussten Sie es auch schon längst? „Der alte Glaube taugt nicht mehr! Und von eurer alten Kirche ist nicht mehr zu erwarten!“, so nörgelte ein Mann im besten Mittelalter mir am vergangenen Wochenende in einem Münchener Biergarten zu, als wir mit einer westfälischen Delegation zur Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentages eine Mittagspause einlegten.
„Schade“, sagte ich zu ihm, „Du weißt gar nicht, was Du verpasst, wenn Du Deine Meinung nicht mal an der Wirklichkeit überprüfst. Und ein Vorurteil wird ja auch dann nicht richtig, wenn man es immer wieder propagiert und wiederholt!“ Damit hatte er anscheinend nicht gerechnet und wir kamen in ein sehr intensives Gespräch. Ich erzählte ihm von den Menschen, die sich in unseren Gemeinden, in unserer Jugendarbeit und in unseren Freizeiten mit so viel Spaß und Leidenschaft engagieren, denen es eine Herzensangelegenheit ist, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen, sich und andere in Bewegung zu bringen – mit Herzen, Mund und Händen.

Am Freitag habe ich mit unseren Freizeitleitern zusammen gesessen. Wir haben miteinander überlegt, wie wir im Sommer mit über 400 Kindern und Jugendlichen ein attraktives Freizeitprogramm gestalten können. Die jungen Ehrenamtlichen haben sich wie in jedem Jahr ein Freizeitthema ausgewählt, unter dem die Gottesdienste und Andachten, Spiele und Gespräche stehen sollen. „Herzenssache“ haben sie als Motto gewählt.
„He, das trifft es doch genau!“ meinte ein Freizeitleiter „das ist es doch, was uns zur Mitarbeit in den Freizeiten bewegt und was unsere Kids erleben und erfahren sollen: Christlicher Glaube ist immer eine Herzensangelegenheit, den kann man nicht von außen aus der Zuschauerperspektive, aus dem Schaukelstuhl oder vom Biertisch aus erleben, sondern nur im miteinander leben und erleben, eben mit Herzen, Mund und Händen.“
Richtig. So ähnlich muss es auch den Freunden von Jesus gegangen sein, als sie nach einem Essen und einem Gespräch mit Jesus aus ihrem Dorf aufbrachen und entdeckt hatten: „Brannte nicht unser Herz, als wir mit ihm redeten!“ (Lukas 24, 32)

Wir haben am Freitag noch lange im Kreis der jungen Leute zusammen gesessen und geplant und beraten und diskutiert. Es bewegt mich jedes Mal tief, wenn ich sehe, was diese Mitarbeitenden in unserer Jugendarbeit bewegt und was sie bewegen.
Und ich hätte mir gewünscht, der Mann aus dem Münchener Biergarten wäre dabei gewesen. Er hätte gestaunt, wie viel der „alte Glaube“ bewegen kann.



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